Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

leichte rosenrothe Färbung am Lirnbus sichtbar, entweder bloss auf eine Stelle, meist 
nach oben beschränkt, oder über die ganze pericorneale Zone verbreitet, allmählich 
nimmt die ganze Conjunctiva sclerae daran Theil, die Gefässe erscheinen stärker inji- 
nirt, einige grössere Aeste ziehen nach der Wundfläche auf der Cornea hin, und nun 
kann es zur Bildung eines Pannus kommen oder es kann durch Auswanderung aus 
den stark injicirten Conjunctivalgefässen die Cornea mit Eiterkörperchen injicirt werden. 
Auf der Conjunctiva palpebrae sehen wür meist nur eine kleine circumscripte Röthung 
’«n den Fremdkörper herum, nur in den seltneren Fällen oder wenn die entzündlichen 
Vorgänge an der Cornea weiter vorgeschritten sind, nimmt die ganze Conjunctiva 
daran Theil. 
Ein Hufner aus Rixdorf, 45 Jahre alt, klagte, dass ihm vor 14 Tagen etwas 
ill’s rechte Auge geflogen und diesses seitdem entzündet sei. 
Es fand sich: Starke Injection der pericornealen Zone, die obere Hälfte der 
Cornea erschien matt, rauh, das Epithel war abgestossen, die Iris eng und strotzend 
,n it Blut gefüllt. 
Beim Umklappen des oberen Augenlides fand sich am larsalrand ein kleines 
Stück Steinkohle, welches leicht entfernt wurde. 
Die obere Uebergangsfalte ist der Lieblingssitz für Strohhalme, feine Holz 
splitter und Spieren von Getreideähren. Diese rufen, wenn sie unter das obere Lid 
gelangt sind, starke Schmerzen und heftigen Lidschlag hervor, wobei durch das glatt 
ai >schliessende obere Lid der Fremdkörper vom Bulbus abgestreift und immer weiter 
den Uebergangstheil hineingetrieben wird. Bleibt ein derartiger Fremdkörper nun 
,ü ehr oberflächlich auf der Uebergangsfalte sitzen, so übt seine rauhe Oberfläche bei 
E'dein Lidschlage einen neuen Reiz auf die Conjunctiva palpebrae et sclerae und auf 
oberen Theil der Cornea aus, auf der dadurch das Epithel abgescheuert und ein 
Sübstanzverlust hervorgerufen wird, während die Bindehaut chemotisch und das obere 
oft stark geschwellt erscheint. 
So war einem Manne ai.s Schinkel 8 Tage bevor er zur Klinik kam etwas 
1118 rechte Auge geflogen und dieses seitdem stark entzündet 
Es bestand starke Hyperaemie und Chemosis der Conjunctiva, Injection der 
Pericornealen Zone; auf der Cornea etwas nach oben war ein erbsengrosser, scharf- 
UU) grenzter Substanzverlust in den oberen Schichten, die ganze Cornea erschien rauchig 
getrübt. 
Beim Umstülpen des oberen Lides zeigte sich eine 2 Ctm. lange Roggenspiere 
^er Uebergangsfalte, die mit der Pincette entfernt wurde, worauf bald Besserung 
c ‘* ,l trat. 
Ist der Fremdkörper aber tiefer in die Uebergangsfalte eingedrungen, so übt 
‘'keinen directen Reiz mehr auf den Bulbus aus; da die Falte nur selbst wenig ern- 
“dlich ist, so lassen die Schmerzen bald nach, und die Leute meinen meist, der
	        

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