Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Vorsicht mit Argentum nitricum behandelt worden sind, oft die ganze Conjunctiva- 
schwarz versilbert aussieht, während an der Tarsalfläche des oberen Lides auch nicht 
die Spur davon zu finden ist. 
Hier reizt der Fremdkörper nicht nur die Randgefässe, sondern auch die des 
oberen Lides, die sich fortwährend über ihn hin und her bewegen und bald stark 
injicirt erscheinen; von hier und vom Rande aus breitet sich nun die Injection schnell 
über die ganze Conjunctiva aus, die dann dunkelroth geschwellt und gelockert erscheint. 
Es sind hier also die günstigsten Bedingungen zu einer Keratitis gegeben. 
Wie schnell und heftig die Erscheinungen auftreten beweisen die beiden fol 
genden Fälle; 
1. Einem Müller war gegen Abend beim Steinschärfen ein kleiner Steinsplitter 
ins rechte Auge geflogen, der im oberen Segment der Cornea sass. 
Schon am andern Mittag fand sich sehr starke Injection des Limbus und der 
Conjunctiva, mit heftigen Schmerzen verbunden. 
2, Einem Schlosser waren am Nachmittage mehrere ganz kleine Stahlsplitter 
ins Auge geflogen, die oben innen nahe am Hornhautrande sassen, und ihm viel 
Schmerzen verursachten. 
Am Mittag des folgenden Tages war der Limbus und die Conjunctiva stark 
rosenroth injicirt, das Epithel der betreffenden Stelle auf der Cornea abgeschilfert. 
Gehen wir nun zur Conjunctiva über, so finden wir am seltesten einen Fremd 
körper an der Tarsalfläche des unteren Lides, weil diese schon an und für sich sehr 
schmal ist und weil er dort von der Thränenflüssigkeit leicht weggewaschen oder durch 
Reiben mit den Fingern flott gemacht und aus der Lidspalte herausgeschwemmt wer 
den kann Aus eben den Gründen sind auch Fremdkörper in der untern Uebergang 8 ' 
falte fast eben so selten. Wozu noch der Umstand kommt, dass das untere Augenlid 
leicht von Jedem abgezogen und durchmustert, ein vorhandener Fremdkörper üid 
einem Tuche oder einer Nadel entfernt werden kann. 
Da nun das untere Lid dem Bulbus nur sehr lose anliegt, so finden sich mei 8t 
nur ganz geringe Reizerscheinungen, leichte Injection der Conjunctiva palpebrae et 
selerae an der betreffenden Stelle, geringe Schwellung der Uebergangsfalte. 
Viel häufiger werden die Fremdkörper an der Tarsalfläche des oberen Auge* 1 ' 
lides angetroffen, dessen Knorpel viel breiter und stärker gewölbt ist; hier haben 8,0 
meist nahe am Lidrande ihren Sitz, rufen heftige Reizerscheinungen und in kurz, er 
Zeit schon bedeutendere Veränderungen hervor. Denn da, wie wir oben sahen, c ^ a ' 9 
obere Lid dem Bulbus sehr fest anschliesst, so wird der Fremdkörper bei jeder V e ' 
wegung des Lides oder des Bulbus über die Cornea hin und her gescheuert, 
Epithel der Cornea dadurch abgeschilfert und ein mehr oder weniger tief gehend*'” 
Substanzverlust in derselben hervorgerufen, so dass die Cornea bald matt und r aU 
erscheint. Nun stellt sich am Rande die Conjunctivalinjection ein; es wird c ' 11
	        

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