Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Lehrbüchern, noch in den speciell über Verletzungen des Auges handelnden Werken 
genügend Rücksicht genommen zu sein scheint. Denn von dem Sitz des Fremd 
körpers hängt es ab, ob und in welchem Grade eine Reizung und Injection der 
Conjunctivalgefässe eintritt; und wie Cohnheim in seinen „neuen Untersuchungen 
über die Entzündung“ nachgewiesen hat, sind allein die Vorgänge an den Blutgefässen 
der Conjunctiva das Bestimmende für die entzündlichen Processe der Conjunctiva 
und Cornea, und kann in lctzerer eine Infiltration mit Eiterkörperchen nur durch 
Auswanderung von weissen Blutkörperchen aus den Conjunctivalgefässen entstehen. 
Cohnheim sagt: „Ohne Conjunctivalinjection keine Keratitis“, d. h. kein acuter 
entzündlicher Process der Cornea; denn etwaige Trübungen etc. sind eben keine 
acuten Entzündungen, sondern, wie er annimmt, dureh oder in Folge des Traumas 
auftretende chemische Umsetzungen in der Hornhautsubstanz, welche sich immer von 
der verletzten Stelle gegen die Peripherie ausbreiten. Bleiben sie auf eine kleine 
Zone beschränkt, so treten keine weiteren Erscheinungen auf, dehnen sie sich aber 
über die ganze Cornea aus oder erreichen sie den Rand derselben, so rufen sie dort 
Conjunctivalinjection hervor. 
Für die Richtigkeit beider Annahmen sprechen, wie wir gleich sehen werden, 
die Erscheinungen nach Verletzung der Cornea und Conjunctiva durch fremde Körper- 
Am häutigsten von allen Theilen des Auges ist die Hornhaut der Sitz von 
Fremdkörpern, weil sie als glatte gespannte Haut den mit Gewalt gegen sie ang e ' 
schleuderten kleinen Körperchen einen Widerstand entgegensetzt und so das Eindringen 
derselben erleichtert, was bei der weichen wenig gespannten Conjunctiva nicht def 
Fall ist. 
Sitzt nun ein hremdkörper in der Mitte der Cornea, so kann er dort keinen 
Reiz auf die Conjunetivalgelässe ausüben, da diese ja nur bis in den Rand der 
Hornhaut gehen. Und so sehen wir im Anfang ausser dem Schmerz keine weiteren 
Symptome auftreten; erst wenn er längere Zeit dort sitzen bleibt, stellt sich Trübung 
der Umgebung ein, aus der bei monatelangem Verweilen ein Ulcus werden kann. 
Es scheint hier also durch den Fremdkörper nur eine chemische Umsetzung in der 
Cornealsubstanz hervorgerufen zu werden. 
Zur Erläuterung mögen einige Fälle dienen, die ich theils selbst beobachtet, 
theils den Journalen der Klinik entnommen habe. 
1. Einem Klempner aus Lütjenburg flog vor 14 Tagen ein Stahlsplitter in 9 
linke Auge. 
In der Mitte der Cornea findet sich ein ziemlich grosser Stahlsplitter, darum 
herum in 1 □min. Ausdehnung Trübung der Cornea, am Rande derselben keinerlei Reisig* 
2. Einem Matrosen aus Kiel war vor 6 Wochen etwas ins rechte Aug e 
geflogen und hatte heftige Schmerzen gemacht, die bald wieder nachliessen, j et7/t 
aber plötzlich von Neuem auftraten.
	        

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