durch irgend eine Ursache in ihrer Ernährung gestört sind, wesshalb gerade da Schmerz,
auftritt, also nur Sensibilitätsstörung und die Motilität unverändert ist oder umgekehrt.
Dass der Neuralgie keine Ernährungsstörung zu Grunde liegen könne, soll damit nicht
gesagt sein.
Wir haben aber früher in unsern ätiologischen Betrachtungen gesehen, dass
man zuweilen während des Lebens und auch bei der Obduction gar keine nachweis
baren pathologischen Processe am Herzen hat nachweisen können und dennoch be
standen die stenocardischen Anfälle im ausgesprochensten Grade. Wofür nun sollen
wir uns hier entscheiden? Sollen wir der abnormen Innervation des Herzens Circu-
lationsstörungen zu Grunde legen oder sollen wir die Innervationsstörungen als primär
auffassen? Da wir nun früher auch gesehen haben, dass die meisten Obductionen
solcher an Angina pectoris verstorbenen Kranken Veränderungen am Herzen ergeben
haben, so lä^e es allerdings nahe, diese als Ursache der hier in Rede stehenden
Krankheit anzusehen. Auf der andern Seite aber mussten die Untersuchungen der
Herznerven solcher Individuen unterbleiben, weil diese Untersuchungen beim mensch
lichen Herzen mit so ausserordentlich grosser Schwierigkeit verbunden sind, dass wir
auch nichts darüber wissen und, vorausgesetzt, dass die Untersuchung möglich wäre,
so wäre es doch sehr ungewiss, ob man überhaupt etwas Pathologisches in den Ner-
venplexus würde nachweisen können. Wir können aber hier ebensowenig auf die
Erklärung warten, wie sich ein sensibler Nerv anatomisch verschieden verhält, wenn
normal functionirt oder seine Erregbarkeit herabgesetzt, ja ganz aufgehoben,
anästhetisch oder endlich seine Erregsamkeit bis aufs Höchste gesteigert, hyper
ästhetisch ist.
Wir müssen uns hier an die an der Pheripherie des Körpers auftretenden
Neuralgieen halten, um uns wenigstens trösten zu können, dass hier, bei der Angina
Pectoris, wo doch,' wie wir gesehen haben, die complicirtesten Verbindungen unter
den Nerven bestehen, dass also hier eine Erklärung der Ursache noch viel schwieriger
ist, als z. B. bei einer Supraorbitalneuralgie, bei der wir in den meisten Fällen nicht
Im Entferntesten im Stande sind, eine Ursache dieser schmerzhaften Affection anzu
geben; man nennt aber die mit Schmerz einhergehenden Störungen der sensiblen
Nerven „Neuralgie“.
Daher müssen auch wiruns hier einstweilen - mit der Bezeichnung „Neuralgie
des l'lexus cardiacus“ begnügen.

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