Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Während er in ihrer Gesellschaft sass, fiel er todt um. Aus der Thatsache, dass die 
Eichel mit Spermatozoen bedeckt gefunden wurde, vermuthete man, dass er sich ent 
weder zur Zeit des Todes oder kurze Zeit vorher dem geschlechtlichen Verkehr er 
geben habe. Es ist möglich, dass er während des Actes starb, indem die Erregung 
einen Paroxysmus dieser Krankheit hervorgerufen hatte, an welchem er früher litt. 
Sectionsbericht. Das Herz, wie in den vorhergehenden Fällen, war 
schwach erweitert, — vierzehn Unzen. Der linke Ventrikel war gänzlich uncontrahirt; 
der rechte zum Theil ebenso. Beide enthielten flüssiges Blut. Der Arcus aortae war 
atheromatös entartet. Die rechte Kranzarterie war vollständig geschlossen, sodass keine 
Spur von Oeffhung vorhanden war. Die Arterie konnte nur dann gefunden werden, 
wenn man sie von der Aussenseite bis zu ihrem Ursprünge verfolgte. Die tunica 
intima schien sich über die Mündung des Gefässes fortzusetzen. Die OefFnung 
der linken Herzarterie war so verengt, dass man sie kaum vermittelst einer Sonde 
messen konnte. Der Verlauf der Kranzarterien war normal. Die Herzmuskelfasern 
waren schwach fettig punktirt. Sämmtliche Klappen waren sufficient; die Aortaklappen 
waren in einer kleinen Ausdehnung verdickt. 
Der Magen war von Gas ausgedehnt und mit unverdauten, fast unzerkauten 
Speisen erfüllt und enthielt eine Menge von Kartoffeln und Eingepökeltem. Alle 
Organe wurden untersucht, aber nichts weiter wurde gefunden, als dass die Lungen 
schwach emphysematos waren und dass in den Bronchialverzweigungen eine schleimig* 
eitrige Secretion stattgefunden hatte. 
Als Resume unserer bisherigen Betrachtungen ergiebt sich, dass bei den meisten 
Obductionen der der Angina pectoris erlegenen Kranken organische Veränderungen 
am Herzen gefunden wurden. Ob aber diese nachweisbaren krankhaften Processe 
angeboren, also primär entstanden, oder die Folge von krankhaften Vorgängen, welche, 
wie der acute Gelenkrheumatismus in etwa 20 pCt. der von ihm ergriffenen Individuen 
Endocarditis mit ihren spätem Folgen, Klappenfehlern, und diese letztem wieder be 
kanntlich im Allgemeinen den Kreislauf verlangsamen und die Herzthätmkeit ver 
mehren, demnach also unvermeidliche Störungen im Gesammtorganismus hervorbringen, 
ob diese primären wie secundären Erkrankungen des Herzens, ebenso wie sie auf da» 
Hehirn wirken, indem wir ja bei solchen Kranken, die mit Klappenfehlern behaftet 
sind, zuweilen Schwindel, Gefühl von Betäubung und Eingenommenheit, veränderte 
Gemüthsstimmung, bei bedeutendem Veränderungen der Gefässhäute Hirnatrophie 
sehen, ob sie es auch seien, die ihre Wirkung auf die Nerven und Ganglien des Her 
zens so äussern, dass die Ursache der Angina pectoris hierin vorzugsweise zu suchen 
ware und, es ist ja möglich, dass die in ihrer Ernährung beeinträchtigten Nerven de» 
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Herzens durch Schmerz sich kundgeben. Wir sind aber hier ebenso wenig im ~ 
die Erklärung abzugebeh, weshalb z. B. bei peripherisch verlaufenden Nerven 
Stande, 
die
	        

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