Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Laennec H ) sagt: „II sernble au malade que des ongles de fer ou la griffe d'un 
animal lui dechirent la partie anterieure de la poitrae.“ 
Thomas Watson 15 ): „As if the sides of his chest were held together by a 
transverse bar of iron etc. etc.“ 
Bevor wir den Kranken während einer Intermission betrachten, mag hier 
Folgendes bemerkt sein: In der so sehr lehrreichen wie interessanten Schrift der 
Herren DDr. Albert Eulenburg und Paul Gruttmann 7 ®), welche die Angina pectoris 
als eine motrisch-sensible Neurose betrachten, und auch diese Neuralgie des Herz- 
nervengeflechtes in seltnem Fällen als eine idiopathische, in häufigem als die Folge 
von Zerrungen der Nerven ansehen, finden wir folgende Bemerkung: 
„An solche motorische Erregungen der Nerven, müsse man wenigstens bei 
gewissen organischen Herzkrankheiten, Verknöcherungen der Kranzarterien, Klappen- 
fehlem der Aorta u. s w. denken; der Plexus cardiacus liege ja hinter und unter 
dem Arcus aortae; der plexus aorticus ebenfalls nahe dem erstem; krankhafte Processe 
der Aorta können also zu Zerrungen des so nahe gelegenen Nervenplexus Veran 
lassung geben etc.“ 
Was nun das Verhalten der Kranken während der Intermissionen betrifft, so 
lichtet sich das nach dem Zustande des Herzens; existiren Klappenfehler, Hyper- 
trophieen des Herzens, so werden die Kranken allerdings von dem fürchterlichen 
Schmerz befreit sein, aber die organischen Veränderungen am Herzen werden natür 
lich diejenigen Störungen im Organismus veranlassen, welche wir sonst an Individuen 
zu sehen gewohnt sind, die mit solchen Affectionen behaftet sind. Sind dagegen keine 
nachweisbaren \ eränderungen vorhanden, so wird je nach der Constitution der Kranken, 
dem Bestehen des Lebels, der Häufigkeit der Anfälle, das Befinden mehr oder weniger 
ungestört sein. 
Die Diagnose ist nach Allem, was wir bis jetzt besprochen haben, nicht 
schwielig und wild man blos vorsichtig sein müssen, die hier in Rede stehende Krank 
heit nicht mit einer Neuralgie der Intercostalnerven zu verwechseln. 
Ja, auch diese Verwechselung wird nicht Vorkommen, sobald man sich an die 
so höchst characteristischen Symptome der Angina pectoris hält. 
In Betreff des Verlaufes dieser Krankheit spricht sich mein verehrter Lehrer, 
Herr Hofrath Marx, in seiner so sehr interessanten Abhandlung 17 ) folgendermassen aus: 
„Der Kranke kann, nachdem der Arzt nur wenige Anfälle gesehen hat, plötzlich 
sterben; er kann aber auch den Arzt, wenn dieser zu voreilig eine schlimme Prognose 
14 ) L’auscultation mediate. Bruxelles 1834, p. 637. 
lo ) Lectures on the Principles and Practice of Physic. London 185 7, p. 281. 
6 ) Die Pathologie des Sympathicus auf physiologischer Grundlage. Berlin 1873, Seite 108. 
) Ueber die Anfälle mit dem Gefühle des Verscheidens, den intermittirenden chronischen Herzschmer®, 
das Leiden des Philosophen Lucius Annäus Seneca, Göttingen 187 2. Seite 38.
	        

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