Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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kussern verdickten tunica in einer Art von Ganglion oder von neu angelegtem Plasma. 
Die microscopische Untersuchung der Nervenfadchen und Ganglien zeigte die Form 
von zahlreichen runden Kernchen, welche sich unter der Form Ananas zwischen den 
röhrenförmigen Elementen findet, welche sie mehr oder weniger comprimirten. 
Auf diese Weise complicirte sich mit der Verletzung der Aorta eine offenbare 
Veränderung des plexus cardiacus und an der Wand des Gefässes wie an der Aus 
höhlung des Nervenplexus constatirte man das Vorhandensein einer übermässigen 
Gefässentwicklung und einer Hyperplasie der Elemente der verbindenden Substanz, 
Ausserdem fand sich im Niveau des linken Nervus laryngeus inferior oder 
dem Neurilemm adhärirend, ein kalkartiger Knoten, welcher ohne Zweifel von einem 
kreideartigen Lymphknoten herrührte. Die Aortaklappen kaum verändert, etwas 
Verdickt und im Niveau ihres Randes adhärent. Das gesunde Herz enthielt in kleiner 
Menge schwarzes flüssiges Blut. Die andern Organe waren nicht verletzt, mit Aus 
nahme der Leber, welche etwas gross war 
Dieser Sectionsbericht liefert uns gewiss den schlagenden Beweis, dass der 
Symphathicus es ist, welcher so wesentlich bei der Angina pectoris betheiligt ist. 
Noch sei hier folgende Annahme für die Entstehung des stenocardischen An 
falles angeführt: „E. Eichwald 13 ) glaubt, es beruhe der stenocardische Anfall auf 
einer wahrhaften Hemmung der Herzthätigkeit durch ein mechanisches Hinderniss und 
der Schmerz sei die Folge der Anstrengungen, welche das Herz zur Ueberwindung 
dieses Hindernisses mache, weil jede Ueberanstrengung eines willkührlichen Muskels 
schmerzhaft empfunden werde.“ 
Diese verschiedenen hier angeführten Ansichten über das Entstehen des steno 
cardischen Anfalles mögen genügen, uns den klarsten Beweis geliefert zu haben, dass 
wir allerdings durch die ungemein wichtigen Fortschritte, die die gesammte Medicin 
in den letzten Decennien gemacht, im Stande sind, uns dieses so sehr merkwürdige 
Leiden auf so mannigfaltige und gewiss doch so einfache Weise zu erklären, aber 
wir können und dürfen es uns auch nicht verschweigen, dass wir das eigentliche 
Wesen, das bedingende Moment der Angina pectoris bis jetzt ebenso wenig kennen, 
wie das einer Neuralgie, vorausgesetzt, dass wir dabei alle möglichen Ursachen, wie 
Druck durch Geschwülste, die in unmittelbarer Nähe des betreffenden Nerven sich 
befinden, oder einer Geschwulst, die von dem Nerven selbst ausgeht etc. ausschliessen. 
Legen wir aber den stenocardischen Anfällen organische Veränderungen am Herzen 
zu Grunde, so wird uns die Ursache der Schmerzen eher verständlich. 
Die Art der Schmerzen wird von den verschiedenen Autoren folgendermassen 
beschrieben: 
13 ) Ueber das Wesen der Stenocardie und ihr Verhältniss zur Subparalyse des Herzens: In der Würz 
burger medicinischen Zeitschrift, Bd. 4. Würzburg 1863.
	        

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