Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Gesetzt, wir hätten es mit einer Herabsetzung der Herzcontractionen, aber 
einer Verstärkung der einzelnen Herzschläge und einer Retardation des Pulses zu 
thun, so wären wir nach den bekannten physiologischen Experimenten, dass nämlich 
auf Reizung des Vagus die Zahl der Herzcontractionen sich vermindert, ja bei zu 
starker Reizung Herzstillstand bewirkt wird, berechtigt, anzunehmen, dass der Vagus 
gereizt sei, was allerdings selten eintritt, da nach zahlreichen Beobachtungen der Puls 
gewöhnlich frequenter ist, als normal. 
Ist dagegen die Zahl der Herzcontractionen während des Anfalles vermehrt, 
die Herzbewegungen sehr stürmisch, so dürfen wir einen vorübergehenden paretischeu 
Zustand des Vagus annehmen, welcher Zustand ein Ueberwiegen des excitomotorischen 
Herznervensystems, des Sympathicus, bedingt 
So einfach diese Erklärung vielleicht wäre, so müssen wir hier noch auf eine 
andre aufmerksam machen. Wir haben ja früher gesehen, dass im Sympathicus die 
vasomotorischen Herznerven verlaufen. Bei einer Reizung der vasomotorischen Nerven 
wird Verengerung, bei einem mehr paretischen Zustande Erweiterung der Gefässe 
eintreten; im ersten Falle steigt der Widerstand für die Entleerung des Herzens, weil 
ja die peripherischen Gefässe verengt sind, das Herz wird also stärkere Anstrengungen 
machen müssen, im zweiten Falle wird der Widerstand sinken und demgemäss auch 
die Leistung des Herzens. 
So weit die Erklärung der pathologischen Vorgänge während des stenocardi- 
schen Anfalles. 
Aus dem zuletzt hier Angeführten geht doch mit ziemlicher Gewissheit hervor, 
dass der am Plexus cardiacus so wesentlich betheiligte Sympathicus sehr wahrschein 
lich vorwiegend bei der Angina pectoris betheiligt sei und citiren wir hier einen Fall, 
der von Lancereaux 12 ) beschrieben und einen 45jährigen Kranken betraf, der die ge 
wöhnlichen Symptome von Angina pectoris darbot und der einem solchen Anfalle erlag* 
„Bei der Autopsie constatirte man das Vorhandensein einer Verletzung der 
Aorta. Zwischen den beiden Mündungen, der Coronaraterien, welche bis zu dem Grade 
verengt waren, dass die Einführung eines Stilets kaum möglich war, findet sich eine 
hervorragende Platte von mehreren Centimetern Umfang, mit zierlich ausgeschweiften 
Rändern und zum grossen Theil’ aus einem verbindenden Gewebe einer Neubildung 
zusammengesetzt. Zwischen der innern und mittlern Schicht gelegen, scheint das 
Neugebilde in seiner Dicke feine Verästlungen zu enthalten. Die Adventitia der Aorta 
war auf jeden Fall, hauptsächlich im Niveau ihrer Anlöthung an die arteria pulmonalis, 
der Sitz einer anomalen, äusserst reichen Gefässentwicklung. Der Plexus cardiacus- 
welcher, wie man weiss, über diesem Theil’ des arteriellen Gefässes ruht, betheiligt'' 
sich an dieser Gefässentwicklung und einige seiner Fädchen fanden sich an ihrer 
u ) De l’alteration de I’aorte et du plexus cardiaque dans Fangine de poitrine. Gaz. med. 1864 p. 432-
	        

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