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Gesetzt, wir hätten es mit einer Herabsetzung der Herzcontractionen, aber
einer Verstärkung der einzelnen Herzschläge und einer Retardation des Pulses zu
thun, so wären wir nach den bekannten physiologischen Experimenten, dass nämlich
auf Reizung des Vagus die Zahl der Herzcontractionen sich vermindert, ja bei zu
starker Reizung Herzstillstand bewirkt wird, berechtigt, anzunehmen, dass der Vagus
gereizt sei, was allerdings selten eintritt, da nach zahlreichen Beobachtungen der Puls
gewöhnlich frequenter ist, als normal.
Ist dagegen die Zahl der Herzcontractionen während des Anfalles vermehrt,
die Herzbewegungen sehr stürmisch, so dürfen wir einen vorübergehenden paretischeu
Zustand des Vagus annehmen, welcher Zustand ein Ueberwiegen des excitomotorischen
Herznervensystems, des Sympathicus, bedingt
So einfach diese Erklärung vielleicht wäre, so müssen wir hier noch auf eine
andre aufmerksam machen. Wir haben ja früher gesehen, dass im Sympathicus die
vasomotorischen Herznerven verlaufen. Bei einer Reizung der vasomotorischen Nerven
wird Verengerung, bei einem mehr paretischen Zustande Erweiterung der Gefässe
eintreten; im ersten Falle steigt der Widerstand für die Entleerung des Herzens, weil
ja die peripherischen Gefässe verengt sind, das Herz wird also stärkere Anstrengungen
machen müssen, im zweiten Falle wird der Widerstand sinken und demgemäss auch
die Leistung des Herzens.
So weit die Erklärung der pathologischen Vorgänge während des stenocardi-
schen Anfalles.
Aus dem zuletzt hier Angeführten geht doch mit ziemlicher Gewissheit hervor,
dass der am Plexus cardiacus so wesentlich betheiligte Sympathicus sehr wahrschein
lich vorwiegend bei der Angina pectoris betheiligt sei und citiren wir hier einen Fall,
der von Lancereaux 12 ) beschrieben und einen 45jährigen Kranken betraf, der die ge
wöhnlichen Symptome von Angina pectoris darbot und der einem solchen Anfalle erlag*
„Bei der Autopsie constatirte man das Vorhandensein einer Verletzung der
Aorta. Zwischen den beiden Mündungen, der Coronaraterien, welche bis zu dem Grade
verengt waren, dass die Einführung eines Stilets kaum möglich war, findet sich eine
hervorragende Platte von mehreren Centimetern Umfang, mit zierlich ausgeschweiften
Rändern und zum grossen Theil’ aus einem verbindenden Gewebe einer Neubildung
zusammengesetzt. Zwischen der innern und mittlern Schicht gelegen, scheint das
Neugebilde in seiner Dicke feine Verästlungen zu enthalten. Die Adventitia der Aorta
war auf jeden Fall, hauptsächlich im Niveau ihrer Anlöthung an die arteria pulmonalis,
der Sitz einer anomalen, äusserst reichen Gefässentwicklung. Der Plexus cardiacus-
welcher, wie man weiss, über diesem Theil’ des arteriellen Gefässes ruht, betheiligt''
sich an dieser Gefässentwicklung und einige seiner Fädchen fanden sich an ihrer
u ) De l’alteration de I’aorte et du plexus cardiaque dans Fangine de poitrine. Gaz. med. 1864 p. 432-

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