Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

dem der Nervus cardiacus superior entspringt, hat aber auch Verbindungen mit den 
3 oder 4 obern Halsnerven, die ihrerseits wieder zur Bildung des Plexus braohialis 
beitragen; ausserdem anastomosirt der N. cardiacus sup. noch während seines Ver 
laufes am Halse mit Aesten des Ramus descendens N, Hypoglossi, der ebenfalls mit 
Aesten vom zweiten und dritten Halsnerven zusammenhängt Es ist also dadurch 
eine mehrfache Verbindung des Nervus cardiacus superior mit Halsnerven hergestellt. 
Das Ganglion cervicale medium, aus dem der Nervus cardiacus medius ent 
springt, hat Verbindungsäste mit dem fünften und sechsten Halsnerven, zuweilen auch 
mit dem N. Vagus und phrenicus. 
Das Ganglion cervicale inferius, aus dem der Nervus cardiacus inferior ent 
springt, hat Verbindungsäste mit dem sechsten, siebenten und achten Halsnerven und 
dem ersten Brustnerven. Die 4 untern Halsnerven aber und der lste Brustnerv 
treten zum Plexus brachialis zusammen; dadurch steht also auch das Ganglion cer 
vicale inferius und der aus ihm entspringende N. cardiacus inferior mit dem Plexus 
brachialis in Verbindung. Dazu kommen nun noch die vielfachen Anastomosen des 
Sympathicus mit dem Vagus; theils hängen die Ganglien des Sympathicus mit Vagus 
ästen zusammen und zwar sowohl mit Aesten aus seinem Stamme als mit dem von 
ihm entspringenden N. laryngeus sup. und namentlich inf.; theils hängt der Vagus 
nieder mit den Halsnerven zusammen durch einen Verbindungsast des Ramus descen 
dens des N. Hypoglossus. Der Plexus cadiacus hängt endlich vielfach durch Aeste 
mit dem Plexus aorticus thoracicus und den plexus coronarii cordis zusammen. 
Es erklären sich nun die bei der Angina pectoris in das Cervicalgebiet aus 
strahlenden Schmerzen aus der Verbindung, in welcher der Plexus cardiacus mit den 
Vordem Aesten der 4 obern Halsnerven und dem untern Brustnerven steht- die nach 
dem Arm ausstrahlenden Schmerzen erklären sich daraus, dass der vordere Ast des 
ersten Brustnerven Anastomosen mit dem untern Bündel des Plexus brachialis ein 
geht. Die Verbindungen des Plexus cardiacus mit dem Aorten- und Kranzarterien 
geflecht würden die Häufigkeit der anginösen oder stenocardischen Anfälle bei Kranz 
arterienverknöcherungen und Verengerungen erklären. Die zuweilen in der Zwerch 
fellgegend auftretenden Schmerzen lassen sich aus der Verbindung des N. phrenicus 
mit dem 4ten und 5ten Halsnervenpaar und dadurch wieder mit dem Nn. cardiaci 
erklären. Die Erscheinungen des erschwerten Schluckens oder Erbrechens, erschwerter 
Phonation wären zurückzuführen auf die mannigfachen Verbindungen zwischen Sym 
pathicus und Vagus, namentlich des Plexus cardiacus mit dem Nn. cardiaci des Vagus. 
Durch diese anatomischen Facta sind wir somit in den Stand gesetzt, uns die 
bei der Angina pectoris in verschiedenen Körpergegenden auftretenden Schmerzen 
und sonstige Beschwerden hinlänglich zu erklären. 
Was nun die Häufigkeit der Angina pectoris betrifft, so kommt sie glücklicher 
weise nur selten vor.
	        

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