Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

der Angina pectoris glichen. Die Anfälle verschwanden, sobald die Kranken zur 
Einsicht gelangten, dem Taback entweder gänzlich zu entsagen oder einen viel 
massigem Gebrauch davon zu machen. 
„Die Schlüsse, welche man aus solchen Thatsachen ziehen müsse, fügt M. Beau 
hinzu wurden durch die Experimente des M. Bernard über das Nicotin bestätigt. In 
der That hat M. Bernard, indem er das reine Nicotin in die Körper verschiedener 
Thiere einführte, die Ursache der tödtlichen Erscheinungen angegeben, welche ich 
ähnlich den Symptomen der Angin. pect, beim Menschen beobachtete. 
Weil sich die Angin. pect, bei Personen zeigt, welche den Taback brauchen, 
theilt man das ganze der Umstände, welche sich, obgleich selten einstellen, in 3 Grade: 
Zum 1° gehört der übermässige Gebrauch desTabacks; zum 2° eine besondre 
Empfindlichkeit des Individuums; zum 3°gehören schwächende Umstände, solche: wie 
Kummer, Müdigkeit, Schwäche der Verdauungsfunctionen etc., welche den Organismus 
verhindern, die absorbirten Stoffe des Tabacks zu entfernen und eine Anhäufung der 
Stoffe bis zu einem solchen Grade gestatten, dass sich die Substanz hinreichend genug 
findet, um ihre giftige Wirkung auf das Herz zu verursachen. 
Dann finden wir in A, Trousseau’s medicinischer Klinik des Hotel Dieu in 
Paris 6 ) unter Andrem auch Folgendes über das Entstehen der Angina pectoris. 
Er sagt: ,Es gibt ein disponirendes Moment, das ich für unbestreitbar halte, 
das ich aber von Niemanden habe anführen sehen, nämlich die Epilepsie. In gewissen 
Pallen und. vielleicht ziemlich häufig, wenn ich mich auf eigene Erfahrung berufe, ist 
der Angor pectoris eine Aeusserung dieser furchtbaren Krankheit und bildet alsdann 
eine Varietät der vertiginösen Form, er ist mit einem Worte eine Neuralgie epilepti- 
fortnis. Mit dieser theilt er die plötzliche Invasion, den rapiden Verlauf, das rasche 
Aufhören und es ist nichts Seltnes, dass bei Kranken, die vor Zeiten mit Angor pec 
toris behaftet waren, später wahre Anfälle von Morbus comitialis (i. e. Epilepsie) sich 
entwickeln, gerade wie bei andern dem Angor pectoris früher wohl characteristische 
epileptiforme Zufälle vorausgehen konnten. 
Ein derartiger Fall, fährt der Autor fort, bot sich mir erst kürzlich dar. Ein 
an epileptiformen Anfällen Leidender, 45 Jahre alter Mann bot seit sechs Monaten 
Erscheinungen dar, worüber er sich folgendermassen aussprach. 
Bei Gelegenheit einer etwas heftigen Bewegung, eines ermüdenden Ganges 
empfand er auf einmal ein Gefühl von schmerzhafter Oppression; seit einem Monate 
'riderholen sich die Zufälle dreimal täglich, selbt wenn er sich ruhig hielt und waren 
s ehr heftig geworden. Sie bestanden damals in heftigen Schmerzen, welche zuerst in 
dem vordem Theile der rechten Brusthälfte empfunden wurden; von da gingen sie 
nach einer Minute auf den entsprechendenArm über, dieser war erstarrt, sehr schmerz- 
s ) Zweite Auflage, deutsch bearbeitet von Dr. L. Culmann, Würzburg 1868. II. Band, Seite 480.
	        

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