Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Einwände, die gegen die zuletzt ausgesprochene Ansicht erhoben wurden, dass 
nämlich möglicherweise der Druck, welchen die verknöcherten Kranzarterien auf die in 
das Herzfleisch eingebetteten Plexus ausüben, den Schmerz hervorbrächten, sind 
gewiss nicht stichhaltig, weil ja die Ursache constant vorhanden wäre, nicht aber die 
Schmerzen, die ja nur in Paroxysmen auftreten. Auf der andere Seite können wir 
hier die Paroxysmen ebenso wenig erklären, wie bei andere Neuralgien. Damit soll 
übrigens den verknöcherten Kranzarterien durchaus nicht die Möglichkeit abgesprochen 
werden, zuweilen den Schmerz mitzuveranlassen. 
Es sei dem aber wie es wolle, mag man die Angina pectoris als eine auf 
organischen Veränderungen beruhende Krankheit ansehen oder als rein neuralgische 
und daher, wie es Friedreich 2 ) thut, geradezu 2 Formen unterscheiden, erstens eine 
dynamische (idiopathische, essentielle, functionelle, nervöse) und zweitens eine organische 
Form oder wie Bamberger 3 ) sie als eine Hyperästhesie mit Hyperkinese gesteigerter 
Erregbarkeit, oder wie Romberg 4 ) als Hyperästhesie des Plexus cardiacus oder 
Trousseau als epileptiforme Neuralgie oder mein vererther Lehrer, Herr Geh. Hofr. 
Hasse, als Neuralgie des Plexus cardiacus oder endlich wie v. Dusch 5 1 sie als Hyper 
ästhesie mit Krampf des Herzens ansehen, immerhin bietet dieses Leiden so viel 
des Interessanten dar, dass man es kaum unterlassen dürfte, auch hier, dieser kleinen 
Schrift, die doch eigentlich nur die Aufgabe hat, eine Beschreibung zweier pathologisch 
anatomischer Herzen, die von Individuen stammen, welche an dieser hier in Rede 
stehenden Affection zu Grunde gingen, zu geben, einige kurze Bemerkungen über die 
Aetiologie dieser Krankheit, so weit sie uns überhaupt bekannt ist, dann auch über 
die paroxysmen weise auftretenden Anfälle und das Verhalten während der Intermis 
sionen anzureihen. 
Vas zuerst die aetiologischen Momente betrifft, so kann die Angina pectoris 
in seltnen Fällen die verschiednen Herzleiden compliciren, dann findet man auch als 
Ursache rheumatische und gichtische Affection angeführt, ebenso von den Franzosen 
als aetiologisches Moment „das übermässig starke Tabackrauchen“, über welches 
letztere Angeführte in den „Archives generales 1862“ (Vol. II. pag. 122) von der am 
9. Juni stattgehabten Sitzung sich Folgendes findet: 
„M, Beau verlas einen Aufsatz über das Tabakrauchen, welches gleichsam als 
die Ursache der Angina pectoris betrachtet wurde und führt zur Unterstützung seiner 
Meinung eine grosse Anzahl Fälle an, in welchen die Kranken unter dem Einflüsse 
des übermässigen Tabackrauchens von Erscheinungen ergriffen wurden, die denjenigen 
2 ) Herzkrankheiten, 5. Band, 2. Abth. Erlangen 1861. Seite 412. 
3 ) Lehrbuch der Krankheiten des Herzens. Wien 185 7. Seite 371. 
4 ) Lehrbuch der Nervenkrankheiten des Menschen, dritte Auflage. Berlin 1857. Seite 154. 
s ) Lehrbuch der Herzkrankheiten 18 68. Seite 33 7.
	        

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