Beitrag zur „Angina pectoris“. 1 )
Liest map die in der Literatur über diesen Gegenstand enthaltenen Sectionsberichte
nach, so findet man, dass in der grossen Mehrzahl der Fälle organische Ver
änderungen am Herzen gefunden wurden, die als die eigentlichen Ursachen der hier
in Rede stehenden Krankheit angesehen wurden und theilweise noch werden. Nament
lich findet man Stenose des Aortenostium, Jnsufficienz der Aortaklappen, dann
atheromatöse Entartung der Aorta, fettige Degeneration des Herzfleiches und besonders
hervorgehoben sind von den meisten Schriftstellern die im Gefolge der Aortenleiden
auftretenden „Verknöcherungen und Verengerungen der Kranzarterien“ und welche
letztere Veränderungen seit dem Erscheinen der ersten deutlichen Beschreibung dieses
Leidens (mit der zugleich auch der jetzt allgemein gebräuchliche Name „Angina
Pectoris“ von William Heberden im Jahre 1768) ganz besonders hervorgehoben
Werden. Parry wies zuerst auf die Verknöcherungen der Kranzarterien als die Ursache
dieser Krankheit hin.
Man kommt dem hier Angeführten zufolge leicht in die Lage zu glauben,
dass es sich hier stets um nachweisbare pathologische Proesse am Herzen handle
ünd dass man je nach dem Falle auch therapeutisch verfahren müsse; dem ist
aber nicht so. Es giebt nämlich auch Sectionsberichte, wenn auch in der Minder
zahl. wo gar keine Veränderungen nachweisbar waren, ebenso solche, die nicht hierher
gehören, wo man bei der Obduction allerdings die oben als höchst characteristisch
angeführten Verknöcherungen der Kranzarterien fand, wo aber während des Lebens
Leine Angina pectoris bestand.
Diese kurzen Betrachtungen führen uns auf den Gedanken, sowohl die Ursache
als den Sitz des Leidens irgendwo anders hinzuverlegen und da, wie bekannt, diese
Affection von einem fürchterlichen und höchst characteristischen Schmerz begleitet
ist, so bleibt uns nichts Anderes übrig, nach Analogie andrer am Körper zeitweilig
auftretender und wieder verschwindender Schmerzen den Sitz wie die Ursache der
schmerzhaften Anfälle in die das Herz versorgenden Nerven zu verlegen.
r ) Das Wort „Angina“ kömmt von aengsten, aengstigen, ersticken her.
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