Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Beitrag zur „Angina pectoris“. 1 ) 
Liest map die in der Literatur über diesen Gegenstand enthaltenen Sectionsberichte 
nach, so findet man, dass in der grossen Mehrzahl der Fälle organische Ver 
änderungen am Herzen gefunden wurden, die als die eigentlichen Ursachen der hier 
in Rede stehenden Krankheit angesehen wurden und theilweise noch werden. Nament 
lich findet man Stenose des Aortenostium, Jnsufficienz der Aortaklappen, dann 
atheromatöse Entartung der Aorta, fettige Degeneration des Herzfleiches und besonders 
hervorgehoben sind von den meisten Schriftstellern die im Gefolge der Aortenleiden 
auftretenden „Verknöcherungen und Verengerungen der Kranzarterien“ und welche 
letztere Veränderungen seit dem Erscheinen der ersten deutlichen Beschreibung dieses 
Leidens (mit der zugleich auch der jetzt allgemein gebräuchliche Name „Angina 
Pectoris“ von William Heberden im Jahre 1768) ganz besonders hervorgehoben 
Werden. Parry wies zuerst auf die Verknöcherungen der Kranzarterien als die Ursache 
dieser Krankheit hin. 
Man kommt dem hier Angeführten zufolge leicht in die Lage zu glauben, 
dass es sich hier stets um nachweisbare pathologische Proesse am Herzen handle 
ünd dass man je nach dem Falle auch therapeutisch verfahren müsse; dem ist 
aber nicht so. Es giebt nämlich auch Sectionsberichte, wenn auch in der Minder 
zahl. wo gar keine Veränderungen nachweisbar waren, ebenso solche, die nicht hierher 
gehören, wo man bei der Obduction allerdings die oben als höchst characteristisch 
angeführten Verknöcherungen der Kranzarterien fand, wo aber während des Lebens 
Leine Angina pectoris bestand. 
Diese kurzen Betrachtungen führen uns auf den Gedanken, sowohl die Ursache 
als den Sitz des Leidens irgendwo anders hinzuverlegen und da, wie bekannt, diese 
Affection von einem fürchterlichen und höchst characteristischen Schmerz begleitet 
ist, so bleibt uns nichts Anderes übrig, nach Analogie andrer am Körper zeitweilig 
auftretender und wieder verschwindender Schmerzen den Sitz wie die Ursache der 
schmerzhaften Anfälle in die das Herz versorgenden Nerven zu verlegen. 
r ) Das Wort „Angina“ kömmt von aengsten, aengstigen, ersticken her. 
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