Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Ebenso constant wie der Schmerz ist das Erbrechen, welches in allen Fällen auftrat, 
Wenn auch mit den kleinen Modificationen, dass es entweder bis zum Tode anhielt, oder in 
vereinzelten Fällen kurz vor demselben verschwand. Die entleerten Massen sind meist grünlich. 
Uebelkeit und Aufstossen pflegen niemals zu fehlen. Der Appetit ist in der Kegel vollständig 
geschwunden, nur in den seltenen Fällen, in denen Schmerz und Erbrechen nachliessen, und die 
Patienten sich wieder wohl er fühlten, verlangten sie auch zu essen. 
Manchmal wird eine grosse Aengstlichkeit und Unruhe der Pat, hervorgehoben, so dass 
sie sich beständig hin und herwarfen, das Bett verliessen u. s. w. Der Selbstmord in Fall X 
ist wohl auf dies Symptom zurückzuführen. 
Bemerkenswerth ist der sehr häufig früh eintretende Collaps, welcher manchmal schon 
nach 24 Std. vollständig ausgeprägt ist: kalter Schweiss, fadenförmiger, unregelmässiger Puls, 
Unbesinnlichkeit u. s. w. Nicht selten haben vor dem Collaps Delirien und Convulsionen 
bestanden. 
Fieber ist in den meisten Fällen vorhanden und mit demselben frequenter Puls, Kopf 
schmerz, allgemeine Abgeschlagenheit. Nur sehr selten ist dasselbe gering. 
Der Verlauf der Krankheit ist durchweg ein sehr akuter. Nach plötzlichem Einsetzen 
erscheinen rasch alle Symptome, rasch tritt Collaps ein, und ihm folgt bald ein plötzlicher Tod, 
ebenso häufig unter stürmischen Zufällen — (Delirien, Convulsionen), wie ohne diese. Mitunter 
befanden sich die Pat, scheinbar gut, lehnten sich plötzlich zurück und waren todt. Eine Aus 
nahme von diesem Verlaufe bilden die Fälle V und XVI, in welchen schon 3 Monate vor dem 
Eintritte der akuten Erkrankung ein chronisches Unwohlsein: Uebelkeit, Appetitmangel, Schmerz 
l0 i Epigastrium bestanden hatte. 
Die Functionen der übrigen Organe sind kaum berücksichtigt worden. Es finden sich 
aur die Angaben, dass hier Diarrhöe, dort Obstruction bestand. 
Diagnose. Ob die Diagnose inter vitam mit Sicherheit gestellt werden kann, wie von 
Manchen Autoren behauptet worden ist, sei es direct, sei es durch Ausschluss, wage ich nicht 
zu entscheiden. Indessen habe ich bei der Prüfung der Fälle keinen gefunden, in welchen sich 
die Erscheinungen nicht auch ohne Annahme einer Oastritis phlegmonosa durch häufiger vor 
kommende Krankheitsprocesse erklären Hessen ein Umstand, welcher für mich genügt, um 
Taigen Zweifel in die Berechtigung einer so kühnen Diagnose zu setzen. Es lässt sich nur 
Manchmal sicher constatieren, dass die Krankheit vom Magen ausgeht, mehr aber nichts, 
^gl. jedoch B amberger 1 ). 
Therapie. Die Behandlung kann nur eine symptomatische sein. Vor allen Dingen 
Werden die Schmerzen durch Opiate zu bekämpfen sein, und zwar dürfte sich bei der Gefahr 
des Wiedererbrechens die subcutane Injection von Morphium mehr empfehlen, als die Darrei 
chung per os. Wäre wirklich einmal ein Fall mit Sicherheit diagnosticiert worden, so würde 
e Me völlige Schonung des erkrankten Organs streng indiciert, und die Ernährung per rectum 
■Uach der Leubeschen Methode vorzunehmen sein.
	        

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