Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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theilten Fällen werden achtmal’Ursachen angeführt. Es sind dies: Erkältung (I, XI), Alko 
holmissbrauch (III, V,XVI), Genuss verdorbener Speisen (XV), Uebermässiges Essen 
(XVII), Anhaltender Druck auf die- Magengegend (XIX, XXI?), Ein Trauma will auch 
von Wallmann 1 ) als Ursache beobachtet haben. 
Im Hinblick auf die neuen Arbeiten über Mycosis intestinalis dürfte es, wenngleich die 
anatomischen Befunde mancherlei Verschiedenheiten darbieten, gestattet sein, fragend anzudeu 
ten, ob nicht vielleicht ein Zusammenhang bestehe zwischen der Gastr. phlegm, und dieser 
Mycosis. Unter unsern Pat. befindet sich ein Rothgerber und mehrere Kutscher. 
Hinsichtlich des Geschlechts der befallenen Pat. übergehe ich die Angaben Raynauds, 
da er ja Fälle mitzählt, welche ich ausschliesse. Unter meinen 23 Fällen findet sich 17mal 
das Geschlecht angegeben. Von diesen 17 sind 15 Männer und nur 2 Frauen, von denen die 
eine an Puerperalfieber starb, und bei der anderen eine Perforation der Gallenblase in die 
Peritonaealhöhle stattgefünden hatte. Reine Fälle von primärer Gastr. finden sich also nur 
bei Männern. 
Das Alter wird 14, mal erwähnt und vertheilt sich so: 
zwischen 20 und 30 Jahr 7 Mal, 
„ 30 „ 40 „ 3 „ 
„ 40 „ 50 „ 2 „ 
„ 50 „ 60 „ 2 „ 
Pathologische Anotomie. Wie die Betrachtung ergiebt, ist der anatomische Befund 
im grossen und ganzen immer derselbe. Indessen kommen doch hier und da kleine Ab 
weichungen vor, welche ein näheres Eingehen auf diesen Punkt erforderlich machen. 
Der Magen in toto ist, wie natürlich, derb anzufühlen, und seine Wandungen fallen nicht 
zusammen, nur in einem Falle (XIV) werden sie als schlaff bezeichnet. Üeber seine Giösse ist 
in ungefähr der Hälfte der Fälle nichts angegeben; wo sich eine Bemerkung findet, war er 
ebenso häufig kleiner als normal, wie durch Gase ausgedehnt. 
Die Schleimhaut ist meistens stellenweise injiciert öder ekchymosiert und mürbe, nur 
ein Beobachter fand sie derb (XVII). Sehr häufig ist sie zellig infiltriert und daher verdickt, 
völlig intact höchst selten, vielleicht nie. Die von Rokitansky u. a. beschriebene siebföimige 
Durchlöcherung, so dass sich der Eiter hei Druck durch die Stomata auf die Schleimhautober 
fläche ergiesst, wird nur zweimal angegeben. Einmal war unter einer solchen durchlöcherten 
Stelle das Infiltrat verschwunden, und die Muscularis lag direct der Schleimhaut an. Viermal 
werden Ulcerationen beschrieben: kleinere oder grössere Sübstanzverluste in der Schleimhaut, 
deren Ränder unterminiert sind, und in deren Grunde die infiltrierte Submucosa erscheint, odei 
wie einmal angegeben, Reste der brandigen Schleimhaut gefunden werden. In der Umgebung 
der Ulcerationen findet keine Entzündung statt, was entschieden dafür spricht, dass dieselben 
ein Product des seitens des Exsudats auf die Schleimhaut ausgeüb^n Drucks sind, wodurch 
letztere brandig wird. Wir werden die Ulcerationen bei den circumscripten Abscessen relativ 
häufiger finden, da in ihnen die Spannung des eingeschlossenen Eiters eine weit grössere sein 
wird, als in dem ’diffusen Infiltrat. Nebenbei verdient hier bemerkt zu «werden, dass von 
verschiedenen Seiten aus diesem Ausgange der Abscessbildung eine Entstehungsweise des ulcus 
ventriculi hergeleitet worden ist. 
') cf. Bamberger 1. c.
	        

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