indessen halte ich es für unstatthaft, daraus ohne weiteres die Abhängigkeit der Magenerkran
kung von den Complicationen zu folgern. Dass Rokitansky, Dittrich, Bamberger, Klebs,
Lebert, Auvray u. a. sich für das primäre Vorkommen aussprechen, fällt zwar an sich schon
schwer in die Wagschale, doch sehe ich davon ab, und ziehe es vor, an einigen der mitge-
theilten Fälle zu zeigen, dass sich die Erscheinungen theils überhaupt nicht, theils weit unge
zwungener und wissenschaftlicher erklären lassen, wenn wir eine primäre Gastritis annehmen.
Betrachten wir zunächst Fall X, welcher sogar der Raynaudschen Arbeit entnommen ist
Wir finden als einzigen Befund: Eiterlage in der Magenwand, in der Peritonaealhöhle wenig
röthliches Serum. Ist es denkbar, dass eine unbedeutende Peritonitis, welche nur ein geringes
seröses Exsudat gesetzt hat, eine eitrige Entzündung des Unterhautzellgewebes des Magens
hervorruft, — hingegen nicht sehr plausibel, anzunehmen, die Entzündung des Magens habe
Ms Reiz auf das Peritonaeum gewirkt, welcher in der kurzen Frist noch nicht zu schwereren
böigen geführt hat? Denn, dass das Peritonaeum an entzündlichen Vorgängen der von ihm
Überzogenen Organe ebenso leicht Antheil nimmt, wie die Pleura an denen der Lungen, braucht
kaum erwähnt zu werden.
Sehr bezeichnend sind die Fälle XX und XXI, in welchem die eitrig entzündeten
Lymphgefässe in dicken Strängen zu den zugehörigen Lymphdrüsen hinzogen.
Ganz besonderen Nachdruck lege ich ferner auf die Symptome in vivo. In Fall XVI,
Welchen übrigens auch Asverus selbst zu der primären Form stellt, bestanden 3 Monate lang
lediglich Erscheinungen seitens des Magens: Uebelkeit, Appetitmangel und Schmerzen im Epi
gastrium, und erst 2 Tage vor dem Tode traten heftigere, eine mehr ausgebreitete Erkrankung
andeutende Symptome auf. Weiter verdienen auch die Fälle XX und XXI hier angeführt zu
werden, in welchen die Erscheinungen seitens des Magens anfangs entschieden praevalieren.
Welche Ursachen die primäre Gastritis phlegm, hervorrufen, ist eine Frage, auf welche
eine Antwort zu geben, zur Zeit nicht möglich ist. Indessen kann uns das in unserer Auffas
sung nicht irre machen. Warum soll das Unterhautzellgewebe der Magenschleimhaut, welche
8 o vielen Insulten ausgesetzt ist, nicht ebensowohl einmal primär erkranken können, wie das
Unterhautzellgewebe der äussern Haut? Diese Annahme hat mehr für sich, als wenn wir eine
Primäre Peritonitis ohne nachweisbare Ursache voraussetzen, welche höchst selten ist, und
nach Niemeyer bei vorher gesunden Personen nie vorkommt.
Ob bei der primären Gastritis die Entzündung nur als Reiz für das Peritonaeum wirkt,
sich der entzündliche Process per contiguitatem fortpflanzt, ob sie eine Pyaemie veranlasst
und durch dieses Mittelglied die Affectionen des Peritonaeums, der Pleuren, des Pericardiums
etc. hervorruft — welches dieser Momente bei der secundären, natürlich in anderer Reihen
de, im Spiele ist, lässt sich nicht entscheiden, wahrscheinlich schliesst das eine das
andere nicht aus. Einige Aufklärung giebt uns der zuletzt von mir mitgetheilte Fall, in wel
chem wir allem Anscheine nach ein früheres Entwicklungsstadium der purulenten Infiltration
Vor uns haben. Es ist durchaus denkbar, dass die pyaemische Peritonitis eine Entzündung des
submucösen Zellgewebes hervorrief, welche zunächst einen serösen Erguss setzte, der bei der
allgemeinen Infection eitrig zu werden begann, und ganz eitrig geworden wäre, wenn nicht
der Tod der Weiterentwicklung ein Ziel gesetzt hätte. In dem Ackermannschen Falle (XVIII)
'vurde Embolie nachgewiesen. Vgl. auch die Fälle XXI und XXII, in denen die Lymphgefässe
ohne Zweifel bei der Ausbreitung der Entzündung eine Rolle spielen.
Ueber die Schädlichkeiten, welche direct als Ursache der primären Form angesehen
werden können, bewegen wir uns, wie erwähnt, in vagen Vermuthungen. In den hier mitge-

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