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Aetiologie. Analysieren wir diese beiden Fälle, so können wir zunächst über die
Aetiologie keinen Augenblick in Zweifel sein. Alle Erscheinungen weisen entschieden darauf
hin, dass die Gastritis hier ein localer Ausdruck der allgemeinen pyaemischen Infection war.
Diese Aetiologie ist nichts weniger als neu, sondern wir finden im Gegentheil in allen Hand
büchern die Angabe, dass bei Pyaemie sowohl, als — wofür ich allerdings in der Literatur keine
Bestätigung gefunden habe — bei anderen schweren Infectionskrankheiten, wie Typhus und Va-
liola, unsere Krankheit beobachtet worden ist. Dittrich 1 ) giebt sogar an, dass dieselbe bei
einer Puerperalfieberepidemie in Prag im J. 1847 neben anderen eitrigen Infiltrationen in lockeres
Zellgewebe: Phlegmasia alba dolens, Periproctitis, Perityphlitis, Perinephritis, ein ganz gewöhn
licher Befund gewesen sei. Es liegt durchaus kein Grund vor, an der Richtigkeit dieser An
gabe zu zweifeln, indessen muss hervorgehoben werden, dass zu andren Zeiten und an anderen
Orten diese Beobachtung jedenfalls bei weitem nicht so häufig gemacht worden ist. Wenigstens
erwähnen die Lehrbücher der Geburtshülfe nichts davon, und bemerkt auch Raynaud, dass
er eine Anzahl Berichte von Gebärhäusern über Puerperalfieber durchgesehen habe, ohne
auf einen Fall von Gastritis phlegmonosa zu stossen. Doch genug davon, die pyaemische Basis
rpancher hälle kann nicht bestritten werden, und über die Häufigkeit wird sich erst ein end
gültiges Uitheil fällen lassen, wenn zahlreichere, wohl beglaubigte Fälle vorliegen werden.
In der hier gegebenen Casuistik war in einem Falle (XII) Puerperalfieber Ursache des
Todes, und lässt sich nur in diesem und in den beiden letzten Fällen Pyaemie deutlich als
ursprüngliches Leiden nachweisen.
Die Pyaemie- und Septichaemiefrage ist bekanntlich in neuerer Zeit eine sehr bren
nende geworden. Hier eine begeisterte Vertheidigung, dort ein beharrliches Leugnen der Ab
hängigkeit derselben von der Entwicklung niederer Organismen. Kann es mir auch natürlich
nicht in den Sinn kommen, in einem Streite, welcher die Koryphäen unserer Wissenschaft in
die Schianken iuft, eine Meinung zu äussern, so mag es doch gestattet sein, möglicherweise
nutzbares Material herbeizuschaffen. In diesem Sinne glaube ich auf die Anwesenheit der Bak
terien in Fall XXII einen besonderen Nachdruck legen zu müssen. Wenn dieselben sich in
einem nach der gewöhnlich üblichen Zeit obducierten Cadaver finden, so berechtigt das zu
keinem Schlüsse, da die Keime überall in der Luft suspendiert sind, und auf dem organischen
Substiate bei feuchter Wärme in einem Tage weit in ihrer Entwicklung fortgeschritten sein
werden. "Wenn dagegen bei einer 8 Stunden p. m. vorgenommenen Section die sofort nach der
Ei Öffnung der Bauchhöhle unter allen Vörsichtsmassregeln angestellte Untersuchung auf Pilze
ein positives Resultat giebt, so kann der Annahme, dieselben seien dort schon während des Le
bens vorhanden gewesen, die Berechtigung nicht abgesprochen werden.
Während also diese 3 Fälle auf Pyaemie beruhen, betrachte ich in den übrigen die
Gastritis als primäre Affection und meine, dass Raynaud viel zu weit geht, wenn er das
primäre Auftreten der Gastr. phlegm, in Frage stellt, und zu folgendem Resultat seiner Beob
achtungen kommt. „Die eitrige Infiltration ist ein ,etat anatomique“, welcher bei mehreren,
durch die Disposition der verschiedenen Organe, Eiter zu producieren, charakterisierten Allge-
roeinkrankheiten entstehen kann. ,Ce n’est pas une espece morbide ä part 1 “.
Piüfen wir unsere Casuistik auf diesen Punkt, so finden wir allerdings, dass in fast
keinem Falle die Gastritis für sich bestand, sondern Peritonitis etc. in ihrer Begleitung waren,
') cf. Brand. Die Stenose des Pylorus, Diss. inaug. Erlang. 1851. j>. 28.

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