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Trotz der Ausbreitung des Erysipelas nach oben und unten hin ist die Temp, bis heute Abend
s
nur allraählig auf 39,8 gestiegen. Pat. klagt über Schmerzen im Leibe, welcher massig aufgetrieben
und druckempfindlich ist. Weil seit 3 Tagen keine Oeffnung erfolgt war, wird Ol. Ricini gereicht, und
da dies sofort wieder erbrochen wird, ein Klysma mit Ol, Rio. appliciert.
22. VI. In der Nacht reichliche Entleerungen. Trotzdem sind die Auftreibung und Druck
empfindlichkeit des Leibes eher bedeutender geworden, und dazu noch heftige spontane Schmerzen auf
getreten. Ein Eisbeutel wird nicht ertragen, dagegen wirken warme Breiumschläge sehr erleichternd.
Pat. erbricht häufig grünliche Massen. Temp, abends 40,0,
2,3. VI. Temp, morgens 40,0. Leib mehr aufgetrieben und schmerzhafter. Pat. erbricht auch
den Portwein, das Einzige, was er bis dahin genossen hat. Temp, abends 40,0.
24. VI. Temp, morgens 40,2. Es werden Chin, bisulf. 2,0 per rectum gegeben. Die Wunden
sehen sehr schlecht aus. Das rechte Beim ist am Puss und Unterschenkel massig angeschwollen. Temp,
abends 39,6. Der Puls wird kleiner und die Respiration oberflächlicher.
25. VI. Temp, den ganzen Tag 40,2. Gegen 8 Uhr abends beginnt Pat. lebhaft zu phanta
sieren. Gegen 9^2 Uhr treten Symptome von Collaps ein. Nach einer subcut. Inject, von Campher
wird Pat. sehr aufgeregt, bleibt aber unbesinnlich.
Tod in der Nacht vom 25/26. VI. unter Symptomen von Lungenödem.
Section (8 h. p. m.) (Hr. Prof. Heller):
Leichendiagnose: Eitrige Peritonitis. — Hochgradige eitrige phlegmonöse
Gastritis. — Starke Schwellung und Trübung der Leber. — Milztumor. — Parenchy
matöse Trübung der Nieren. —• Leichtes Meniugealödem. — Starkes Lungenödem. —-
Nekrotomiewunden des rechten Ober- und linken Unterschenkels. — Erysipelatöse
Schwellung des rechten Oberschenkels, — Oxyuris vermicularis, Trichocephalus dispar.
Schlecht genährter Knabe mit sehr blasser, schlaffer Haut, welche ziemlich ausgedehnte Todten-
flecke zeigt. Am rechten Oberschenkel eine 9 Ctmtr. lange klaffende Wunde mit missfarbiger Geschwürs
fläche. In der Umgebung derselben, besonders nach oben hin sind die Weichtheile stark geschwollen
und geröthet. Beim Einschnitt ergiesst sieh aus zahlreichen, unregelmässig gestalteten und communi-
cierenden, das Unterhautzellgewebe wie die Musculatur in grosser Ausdehnung durchsetzenden Abscessböhlen
eine eitrig-jauchige Flüssigkeit, welche auch die zwischen den Abscessen liegenden Gewebe derb infiltriert
hat. Am linken Unterschenkel eine zweite 13 Ctmtr. lange, 5 Ctmtr. breite Wunde, welche in eine
geräumige, missfarbige Knochenhöhle führt. Am linken Oberarm eine mit schlaffen Granulationen be
deckte Wundfläche,
Brust. Beide Lungen frei, in den Höhlen wenig klares Serum.
Lungen wenig einsinkend, grösstentheils lufthaltig, das Gewebe blutarm, stark ödematös.
R. L. nach vorne in grosser Ausdehnung feinblasig emphysematos; in ihrem unteren Lappen sind hinten
undeutlich abgegrenzte Partieen missfarbig; aus einzelnen Bronchien ergiesst sich ein bräunlich-grünlicher
Brei (aspir. Mageninhalt). — L. L. irn unteren Lappen hinten in geringer Ausdehnung comprimiert.
Herz. Im Herzbeutel etwas reichliches röthliches Serum. Herz normal gross, aussen fettarm,
Muskulatur sehr blass. In den Höhlen wenige derbe Blut- und Fibringerinnsel. Klappen normal, die
Tricuspidalis stark imbibiert. Die Aorta normal weit, ihre Innenfläche zeigt zerstreute fettige Flecken.
Hals. Schilddrüse etwas vergrössert, blass, braun glänzend.
Schlund- und S p eis er ö hr e n s chl eimha ut blass, ebenso die der Luftwege, beide etwas
bräunlich-schmutzig verfärbt.
Schädel. Decke normal, Stirnnaht völlig verstrichen. Die Dura normal. Die inneren
Häute im ganzen zart, wenig injiciert, nur über den sulcis wenig ödematös und getrübt. In der
Arachnoidea nach vorne und den beiden Seiten hin kleine Knochenplättchen. Hirnsubstanz mässig
blutreich und von den Häuten glatt lösbar. An der Basis sind die Häute und Arterien äusserst zart,
letztere mässig gefüllt.

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