Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Magenwanduugen überall verdickt, — am Fundus c. 1, am Pylorus 1,5 Ctmtr. stark — und zwar beruht 
diese Verdickung fast nur auf einer gleickmässigen eitrigen Infiltration der %ubmucosa. Die Infiltration 
endet an der Cardia und am Pylorus wie scharf abgeschnitten. An der Innenfläche des Magens einige 
Geschwüre mit unterminierten Rändern, in deren Grunde brandige Schleimhautfetzen liegen. Diese ist 
theils hyperämisch, theils graulich oder gelblich gefärbt, aber glatt und eben, Muscularis blassroth 
und etwas verdickt. Leber und Milz geschwollen und körnig entartet. 
Hiermit ist die Reihe der Fälle erschöpft, welche ich bei möglichst sorgfältigem Nach 
forschen in der Literatur verzeichnet gefunden habe. Ich zweifele nicht, dass mir hier und 
da eine Mittheilung entgangen sein wird — von einzelnen weiss ich es sogar — doch glaube 
lc h immerhin eine ziemlich vollständige Casuistik geliefert zu haben. 
Ich gehe jetzt zu den von mir beobachteten Fällen über, verfehle jedoch nicht, zuvor 
dem Herrn Geh.-R, Prof. Esmarch für die gütige Ueberlassung der Krankengeschichten meinen 
■Dank abzustatten. 
XXII. Ostitis und Nekrose am linken Unter- und rechten 0 b erschenkel. — Nach 
3 Jahren Nekrotomie — Erysipelas — Pyaemie — Tod. 
Lorenz Th., 11 Jahr alt, ein früher gesunder und kräftiger Knabe, erkrankte vor 3 Jahren an 
e mer akuten Ostitis zunächst am linken Unterschenkel und bald darauf am rechten Obersckenkel 
Nachdem bereits zu Hause einige kleinere Sequester entfernt worden waren, liess Pat. sich am 11 Juni 
d. J. in die hiesige chirurgische Klinik aufnehmen. Er fieberte damals zwar ieicht (38,3), war aber 
°och ziemlich kräftig. Der Urin enthielt kein Eiweiss. An den beiden bezeichneten Stellen fanden 
sich alle Erscheinungen einer Nekrose: Röthung und Schwellung der Weichtheile, und Fisteln, durch 
Welche die Sonde auf rauhen, beweglichen Knochen gelangte. Am Unterschenkel ragte aus einem breiten 
Substanzverluste ein 4 Ctmtr. langer, 2 Ctmtr. breiter zackiger Sequester frei hervor. Ausserdem fand 
sich in den Weichtheilen des linken Oberarms eine mit schlaffen Granulationen ausgefüllte Höhle in 
w elcke eine Fistel führte, 
17. VI. In ruhiger Morphium-Chloroformnarkose wird bei künstlicher Blutleere die Nekrotomie 
an beiden Beinen ausgeführt. Der operative Eingriff ist ejn bedeutender, denn für die gründliche Ent 
fernung der Sequester ist es nothwendig, die Weichtheile in einer Länge von rechts 9 Ctmtr., links 
13 Ctmtr. zu durchschneiden, und in gleicher Ausdehnung die betr. Knochen so auszumeisseln, dass eine 
Hefe, breite, muldenförmige Höhle gebildet wurde. Am Arm werden die Granulationen mit dem scharfen 
Löffel entfernt. Ausdouchen mit Salzsäurewasser, Aasfüllen der Knochenhöhlen mit Liq. ferri, sesquichlor- 
Gaze und Feuerschwamm. 
Pat. hat im Laufe des Nachmittags häufig erbrochen. (Chloroformnachwirkung.) Gegen Abend 
klagt er über Schmerzen in der Gegend der Oberschenkelwunde. Obschon die Temp, nur 38,8 beträgt, 
■wird hier der erste Verband entfernt. Die Wundhöhle ist durch den mit Secret stark imbibierten 
Feuerschwamm ausgedehnt, nach dessen Entfernung Pat. sich sehr erleichtert fühlt. Carboldouehe und 
Verband mit in Carbolöl getränkter Watte. 
18. VI. Temp, morgens 40,2. Es wird deshalb auch am linken Unterschenkel der Verband, 
entfernt. Die Wundhöhle des Knochens ist auffallend trocken. — Douche und Verband mit Watte und 
Garbolöl. — Abends Temp. 40,2. 
19. VI. Erysipelas am rechten Oberschenkel in der Umgebung der Wunde, trotzdem Temp. 
a kends nur 39,4. Das Allgemeinbefinden ist sehr schlecht. Pat. weigert sich, das Geringste zu essen 
ünd geniesst nur etwas Portwein. 
21. VI. Die Wunden sehen schlecht aus. Am Oberschenkel wird eine dünne röthliche Flüssigkeit 
a kgesondert, von Granulierung ist keine Spur vorhanden. Die Wunde am Unterschenkel ist fast ganz 
Rocken und erscheint grau-weiss. — Der Verband wird in der angeführten Weise täglich erneuert
	        

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