Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Submucosa umschriebene bis haselnussgrosse, grauliche, ziemlich fest, anzufühlende Stellen welche 
auf den ersten Blick für medulläre Krebse angesehen werden konnten. Mucosa bleich, an der hinteren 
Wand der Cardiapartie in der Grösse einer Kinderhand siebförmig durchbrochen. Unter ihr findet sich 
Mer kein eitriges Exsudat, sondern die Muscularis liegt frei. Diese ist theils unversehrt, theils in ihrem 
interfibrillären Bindegewebe sulzig infiltriert. Serosa und Subserosa theilweise getrübt und infiltriert. 
An den dicksten Stellen des Magens lassen sich die einzelnen Häute beim Durchschnitt nicht unterscheiden. 
Wir kommen jetzt zu der schon erwähnten Arbeit von Raynaud, aus Avelcher 9 Fälle 
hierher gehören. Diese sind zwar zum Theil nichts mehr als kurze und ziemlich werthlose 
Notizen, doch führe ich sie der Vollständigkeit wegen hier an, zumal die Originalabhandlung 
nicht jedem zugänglich sein dürfte, und die Referate in Schmidts Jahrb. *) wie in Canstatts 
Jahresber. 2 ) besonders in Bezug auf Casuistik sehr unvollständig sind. Was die Auswahl der 
Fälle anlangt, so muss ich an das oben Gesagte erinnern. 
V. (Cornil). Ein 40jähr, Mann, Säufer, seit 3 Monaten unwohl, aber erst seit 14 Tagen 
arbeitsunfähig, kam nachdem er vor 2 Tagen an Erbrechen gelitten hatte, unter folgenden Erscheinungen 
ins Krankenhaus: heftige Convulsionen und Delirien, Pupillen erweitert und nicht reagierend, reichliche 
Durchfälle, Bauch aufgetrieben, scheinbar nicht druckempfindlich. Puls klein und unregelmässig. Tod 
an demselben Tage. — Section (24 h. p. m.): Viscerales Peritonaeum mit einer Lage dicken Eiters 
belegt, Magen mit dem oment. maj. durch zahlreiche Adhaesionen verwachsen. Beträchtliche Verdickung 
der Magenwandung durch eine eitrige Infiltration des submucösen Zellgewebes, welches der alleinige 
Sitz des Eiters zu sein scheint. Die Verdickung ist am Pylorus am bedeutendsten und nimmt von da 
gegen die Cardia hin ab. Die Schleimhaut stellenweisse inj icier t, an 2 Stellen ulceriert. In der Nähe 
der Cardia ein Substanzverlust, in dessen Umgebung keine Entzündung. 
VI. (Lasegue.) Ein 44jähr. schlecht genährter Fuhrmann, welcher schon häufiger Blut 
erbrochen hatte, litt an heftigen, später blutigen und von Kolikanfällen und Tenesmen begleiteten 
Diarrhöen, wobei die linke Hüftgegend sehr druckempfindlich Avar. Nach 8 Tagen bis auf leichte 
Schmerzen genesen, erbrach er dann mehrere Tage grünlich - gelbe Massen, die Leibsehmerzen kamen 
■Wieder, ausserdem kleiner beschleunigter Puls, Diarrhöen, Uebelkeit. Die Erscheinungen steigerten sich, 
Delirien traten hinzu, Pat. collabierte immer mehr und starb nach 8 Tagen. — Section (c. 36 h. p. m.): 
Alle Organe des Unterleibs mit eitriger Masse bedeckt. Im submucösen Bindegewebe des Darms 
einige BlutinfÜtrate. Magen: Schleimhaut weich, verdickt, im Fundus injiciert. Serosa Uj, Muscularis 
fll 2 2 Mmtr. dick. Die Submucosa erreicht durch eine Infiltration von Eiter in ihre Maschen eine 
Dicke von 5 6 Mmtr, sodass die Magenwand in toto c, 1 Ctmtr. dick ist. An der grossen Curvatur 
befindet sich eine kastaniengrosse weiche Anschwellung. (?) 
VII und VIII lassen sich zusammenfassen. Es sind kurze Sectionsbefunde von Andral 
Und Cruveilhier, ohne jede klinische Notiz. Jeder von beiden beobachtete einen Fall, 
in welchem die Magenschleimhaut in ihrer ganzen Ausdehnung durch eine dicke das submucöse 
Zellgewebe infiltrierende Eiterlage aufgehoben war. Die Muscularis war intact. Cruveilhier 
bemerkt ausdrücklich: „zufällig und weil die Magenwandungen aussergewöhnlich dick erschienen, 
wurden Einschnitte gemacht.“ Es müssen also in vivo keine Symptome vorhanden gewesen 
sein, welche den Verdacht auf irgend eine Affection des Magens hätte erwecken können. 
IX (Bamberger 3 ). Ein junger robuster Soldat erkrankte unter den Erscheinungen von 
Erbrechen, heftigen Magensehmerzen, lebhaftem Fieber und endlich Delirien. Er starb nach wenigen 
') Schmidts Jahrb. 1862. Bd. 113. p. 41. 
2 ) Canstatt. Jahresber. 1861. p. 281. 
3 ) cit. in Henoch. Kl. d. Unterleibskrankh. II. p. 196. 
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