Volltext: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Aus diesem Grunde und weil ich auch die eben erwähnte Raynaud’sehe Theorie 
Üir unrichtig halte, schliesse ich mich seiner Eintheilung nicht vollständig an, sondern scheide 
au s der dritten Klasse die multipele Abscessbildung aus und lasse nur die diffuse Infiltra 
tion gelten. Da meine Fälle, wie sich zeigen wird, zu dieser beschränkten dritten Klasse ge 
hören, so werde ich auch nur diejenigen Fälle aus der Literatur zusammenstellen, welche eben 
falls dieser Kategorie zuzurechnen sind. Die übrigen Formen werden nur beiläufig Berücksich 
tigung finden. 
Literaturangaben finden sich bei B amb erger Q, Ackermann-) und in Schmidt’s 
Jahrbüchern 3 ). Vereinigt man diese drei Verzeichnisse, so dürfte dadurch die gesammte 
v orhandene Literatur ziemlich vollständig repräsentiert sein. Ich habe mich nach Kräften be 
müht, mir alle aufgezählten Werke und Aufsätze zugänglich zu machen. . Zum bei weitem 
grössten Theil ist mir dies gelungen, wenn ich mich auch einzeln mit Referaten in unseren 
grossen Sammelwerken begnügen musste. Da zunächst nur eine Casuistik geliefert werden soll, 
s o bleiben die unsere Krankheit im Allgemeinen schildernden Handbücher vorläufig unerwähnt. 
Die ältesten Beobachter von Eiteransammlungen in den Magenwänden: Sand, Lieu- 
tand, Cullen, P. Frank, Jos. Franck, Monro u. a. kann ich unberücksichtigt lassen, denn 
einerseits habe ich in vollem Maasse eingesehen, wie wahr Bamberger von ihnen sagt: ,,Es 
ist bei der vagen pathologisch-anatomischen Ausdrucksweise der älteren Schriftsteller nicht 
immer ganz leicht, die beschriebenen Zustände unserer Anschauungsweise zu accommodieren“, 
—»und andrerseits sieht das, was sie beschreiben, eher einem Abscesse, als einer Infiltration 
ähnlich, einzeln wird sogar das Wort Abscess gebraucht. 
So würde aus dem Jahre 1836 der erste Fall zu verzeichnen sein. 
L (H eyfelder 4 ). Ein 28jähr. kräftiger gesunder Kutscher erkrankte von einer mehrtägigen 
Reise bei nasskaltem Wetter heimgekehrt, an heftigem Leibweh und wiederholtem Erbrechen. Nach 24 
Stunden zeigte er Erscheinungen von Collaps, druckempfindlichen Leib, keinen Appetit und Brechreiz. 
Sine Blutentziehung schaffte Erleichterung, aber nach weiteren 24 Stunden begann der Kranke plötzlich 
irre zu reden und starb bald darauf, 49 Stunden nach dem Eintritt der Erkrankung. Section; (34 h. 
p. m.) Die Sinus, sowie Leber, Milz, Nieren sehr blutreich. Magen und sämmtliche Gedärme von 
Ruft ausgedehnt. Die Magenwände -besonders im Blindsacke und am Pylorus wenigstens um das sechs 
fache verdickt. Die Verdickung beruht darauf, dass sich zwischen der mürben und stellenweise 
ekchymosierten Schleimhaut und der getrübten Serosa eine mehrere Linien dicke Schicht befindet, weiche 
das aufgelockerte und mit w-eiss- gelbem Eiter durchdrungene submucöse Zellgewebe zu sein scheint. 
Lie Muscularis nicht aufzufinden. Die Schleimhaut des Duodenum gegen den Magen hin ebenfalls ekchy- 
üiosiert und mürbe. 
II. (Herzog 5 ). Ein 60jähr. Arbeitsmann, abgemagert und von icterischem Aussehen, litt an 
Schmerzen in der Magengegend, die hart und angeschwollen, sowie an hartnäckiger Stuhlverstopfung, . 
häufigem ftuctus und Auswurf von bedeutenden galligen Massen. Dabei bestand Fieber. Nach 14 Tagen 
Tod. Section: In der Bauchhöhle ein Erguss von einigen Quart dünnen flockigen Eiters. Peri- 
fonaealüberzug der Leber, des Magens und der Milz mit einer „faserstoffigen“ grünlichen Ablagerung 
bedeckt, welche sich leicht ablössen lässt. Leber blutreich, Milz breiig. Der Magen klein, in seinen 
') 1. c. 
2 ) 1. c. 
3 ) 1862. Bd. 113. p. 4L 
J ) Dr. Heyfelder. Sanitätsbericht aus dem Fürstenth. Hohenz.-Sigmar, im J. 1836. Bef. in Schmidts 
Jahrbüchern. 1837. Bd. 16. p. 92. 
5 ) Dr. Herzog. Sectionsergebnisse in Caspars Wochenschr. 1839. p. 813.
	        

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