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Bevor ich zur Besprechung der Literatur übergehe, bedarf es einiger kurzen Bemer
kungen. Man fasst unter dem Namen phlegmonöse Magenentzündung gewöhnlich zwei ver
schiedene Formen zusammen, nämlich die wirkliche diffuse eitrige Infiltration, und die circum-
scripte Abscessbildung in den Magenwandungen, von denen die Submucosa der besonders er
griffene Theil ist. Raynaud 1 ), welcher unter der Ueberschrift: Infiltration purulente dans
les parois de l’estomach den ersten längeren Aufsatz über unsere Affection veröffentlichte,
unterscheidet drei Formen. Diese sind:
1) Kleine Eiteransammlungen, welche sich auf die Schleimhaut beschränken. Die alten
Aerzte nannten den diese Wäschen- oder pustelartigen Gebilde erzeugenden Process ventriculus
pustulosus, während einige neuere ihn als intrafolliculären Abscess, North als Aphthen des
Magens bezeichneten.
2) Ein oder mehrere umschriebene Abscesse in der Submucosa, welche meistens eine
rem locale Affection sind. Von dieser Form führt Raynaud 12 Fälle an, unter ihnen die
ältesten überhaupt veröffentlichten Beobachtungen von Sand 2 ) und Lieutand 3 ), und einen
ball von Mayor, welcher dadurch ein besonderes Interesse gewinnt, dass sich ein Abscess
zwischen den Blättern des lig. gastro-lienale befand.
3) Sehr zahlreiche Abscesse, oder sehr dicke eitrige Infiltration des submucösen Zell
gewebes, teppichartig ausgebreitet über einen grossen Theil oder über das ganze Eingeweide.
Diese Form soll nie als selbständiges, sondern stets als Ausdruck eines allgemeinen Leidens
Vorkommen.
Ackermann ) unterscheidet ohne Rücksicht auf klinische Erscheinungen von rein pa
thologisch - anatomischem Standpunkte aus 7 Kategorieen, von denen die beiden ersten alle
Abscessbildungen in der Submucosa, sei es ohne, sei es mit Verdickung der Magenwände um
lassen während die übrigen die Fälle von wirklicher eitriger Infiltration in verschiedene
Gruppen theilen, je nachdem dieselbe für sich bestand, oder mit Abscessbildung, fibröser Ver
dickung des Magens, Schleimhautverschwärung combiniert gefunden wurde.
Die erste Klasse Raynauds konnte bei der von ihm gewählten Ueberschrift aufgestellt
werden, wir können sie natürlich von vornherein unberücksichtigt lassen, da das Adjectiv
„phlegmonosa a priori die Betheiligung des submucösen Bindegewebes voraussetzt. Es lässt
daher auch Ackermann diese Klasse unerwähnt.
Es leuchtet ein, dass eine Scheidung nach so unbestimmten Zahlenbegriffen, wie „meh-
ieie und „sehr zahlreiche“, unzulässig ist, weil sie der Willkühr zu viel Spielraum lässt. Wo hört
das „mehrere“ auf, und wo beginnt das „zahlreiche“? Raynaud Hess sich durch die ihm be
kannten klinischen Erscheinungen und seiner Theorie zuLiebe, dass die weniger zahlreichen Abscesse
locale Affectionen, die Infiltration und multipelen Abscesse dagegen stets von einem schwere
ren Grundleiden abhängig seien, zu dieser Trennung verleiten. Uebrigens ist er wenig streng und
scheut sich z. B. nicht, einen Fall von Haberslion 3 ) der dritten Klasse zuzutheilen, weil sich ein
eitriges Exsudat in der Peritonaealhöhle fand, wenngleich die Veränderungen am Magen sich auf
einen einzigen Abscess beschränkten, welcher vor der Eröffnung für einen Tumor zweifelhafter Natur
gehalten wurde.
') 1. c.
-) Sand, De raro ventric. abscessu.
3 ) Lieutand, Histor. änatom.-medio. 1767 p. 24, 25.
4 ) Vir ob o ws Arch. Bd. 45 p. 52.
■>) Habershon, Pathologie, and practic. observ. oh disease of the aliment, canal. 1S57 p S6 fbeilta}"
naud observ. XIV). v

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