Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Binde nie hervorgerufen worden. Ebenfalls ist niemals Gangrän der Lappen bei Am 
putationen eingetreten. Nachblutungen sind einige Male verzeichnet, dieselben waren 
aber so gering, dass sie keine Störungen im Befinden des Kranken hervorriefen 
and kein chirurgisches Einschreiten erforderten. 
Obgleich die in der hiesigen chirurgischen Klinik herrschenden accidentellen 
Wundkrankheiten die Mortalitätsziffer um ein Bedeutendes erhöht haben, so möchte 
!ch doch einige Angaben über bie Sterblichkeit bei denjenigen grösseren Operationen 
Aachen, nach welchen man gewöhnlich den Werth einer Behandlungsmethode zu 
beurtheilen pflegt, und dieselben mit denjenigen vergleichen, die ich in den mir vor" 
liegenden Statistiken von Lister, Erichsen und Volkmann finde. 
Von 34 grösseren Operationen, Amputationen und Exarticulationen mit Aus 
nahme der an Hand und Fuss ausgeführten, waren 4 mit tödtlichem Ausgang. Todes 
ursache war einmal Septicaemie, die aber schon vor der Amputation ausgebrochen 
War (cf* No. 1), einmal Pyaemie (cf, No, 24) und zweimal Erschöpfung (cf. No, 29 
Und 31), Es besteht demnach eine Lethalität von 11,8 %. Lister hat unter seinen 
76 grösseren Amputationen, die er unter Anwendung seines antiseptischen Verbandes 
Iß den Jahren von 1870 bis 73 ausgeführt hat, 20 Fälle mit tödtlichem Ausgang — 
also eine Lethalität von 26,3 °/o, Von Erichsens 80 grösseren Amputationen in den 
letzten 3y 2 Jahren waren 21 tödtlichen Ausgangs — Lethalität gleich 26,2 %. 
Volkmann verlor unter 46 Amputirten trotz consequenter Anwendung der Lister’schen 
Verbandmethode 13 — Lethalität gleich 28,2 °/ 0 . 
Diese Angaben bestätigen also im vollsten Masse, was Prof. Esmarch in der 
1* Sitzung des 3. Chirurgen-Congresses zu Berlin am 8. April dieses Jahres gesagt 
Bat, dass er bei Anwendung seines Verfahrens so günstige Resultate erzielt habe, 
Bass sie nicht so leicht übertroffen werden dürften. 
Nach dem Ausgeführten wird jeder pracktische Arzt sich ohne Zweifel auf 
gefordert fühlen, diese höchst einfache und wirksame Methode der künstlichen Blut 
leere von Esmarch in möglichster Ausdehnung zu verwerthen. 
Zum Schluss erlaube ich mir noch, dem Herrn Prof. Esmarch für das bereit 
willigst mir zu Verfügung gestellte Material meinen Dank auszusprechen.
	        

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