Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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1874, im Ganzen 226 Operationen an den Extremitäten und den männlichen Sexual 
organen unter Anwendung der künstlichen Bluttleere an 190 Kranken gemacht worden. 
Von diesen sind 168 geheilt oder der Heilung nahe, 7 ungeheilt, von welchen noch 
4 im Krankenhause sind. Die übrigen 15 sind gestorben, von denen übrigens 2 nach 
Heilung der Operationswunden aus anderen Ursachen verendeten. Die 1 odesursachen 
waren folgende: 
An accidentellen Wundkrankheiten starben 7, 
nämlich an Pyaemie nach Erysipelas 3, 
an Erysipelas 2, 
an Trismus und Tetanus. . . 2, 
an Septicaemie 1. 
An Shock und Anaemie starben 2, 
— Erschöpfung — 2, 
— Phthisis pulmonum . — 1, 
— Carcinosis pulmonum — 1, 
— Diphtheritis faucium — 1. 
Die obige Zusammenstellung bestätigt die Behauptung von Stokes und Esmarch, 
dass durch das Ersparen von Blut die Neigung zu Erkrankung an accidentellen Wund- 
krankheiten vermindert werde; denn obwohl fast die Hälfte der Todesfälle in folge 
derartiger Erkrankung eingetreten ist, so ist doch die Zahl derselben im Verhältniss 
zu der Zahl und Schwere der ausgeführten Operationen ein so geringer, dass man 
es kaum in der Privatpraxis und in den besteingerichteten Hospitälern beobachtet hat 
Hier ist aber zu berücksichtigen, dass die hygieinischen Verhältnisse der 
hiesigen chirurgischen Klinik nicht die günstigsten sind. Dieselbe befindet sich mit 
der medicinischen in einem Gebäude, beide sind seit Jahren überfüllt. Der Cubik- 
inhalt der Räume ist zu klein für difc Zahl der darin stehenden Betten, die Zahl der 
Betten zu klein für die Zahl der Patienten. Schon in der Mitte des Semesters sind 
alle Betten besetzt, zum grössten Theil mit Patienten, die eiternde Wunden haben, 
so dass nach Entlassung eines Genesenen ein neu aufgenommener Kranker in das 
eben frei gewordene Bett gelegt werden muss. Nur während der langen Ferien 
können einzelne Zimmer längere Zeit leer stehen und gründlich gelüftet werden. 
Man hat deshalb beständig mit accidentellen Wundkrankheiten, besonders mit Erysipelas, 
Diphtheritis und Pyaemie zu kämpfen. Die Lister’sche antiseptische Verbandmethode 
wird nur selten, bei den grösseren Operationen, Amputationen und Reseetionen nie 
mals angewendet. 
Ferner müssen wir betonen, dass die Bedenken, die gegen das Verfahren 
erhoben sind, bei richtiger Anwendung derselben durchaus unbegründet sind, Läh 
mungen sind hier nie in Folge der Compression beobachtet worden. Septicämie is* 
durch das Hineindrücken septischer Stoffe in den Kreislauf mittelst der elastischen
	        

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