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In Frankreich beansprucht der Dr. Chassaignac in Paris die Priorität für sich.
Er hat wahrscheinlich ein dem Esmarch’schen sehr ähnliches Verfahren zur Herstellung
der künstlichen Blutleere bei Amputationen gefunden und in einer Zeitschrift 41 ) 1856
veröffentlicht, aber dasselbe ist allen Chirurgen selbst in Paris unbekannt geblieben.
Er hat daher auch keinen Vertheidiger unter seinen Landsleuten gefunden. Dagegen
hält Prof. Verneuil das von Guyon angegebene Verfahren, das er seit längerer Zeit
a ngewendet hat, dem von Esmarch empfohlenen gleich, während es doch nur den
einen Zweck, die Hemmung der venösen Blutung erfüllt und auch nur bei Amputa
tionen verwendbar ist.
Wie mit Chassaignac in Frankreich verhält es sich auch mit Dr. Grandesso-
Sylvestri in Vincenza in Italien, der die elastische Binde und den Gummischlauch
schon 187 1 42 ) in der von Esmarch angegebenen Weise, freilich nur für Amputationen,
empfohlen hat, nach dessen Vorschrift Prof. Vanzetti in Padua in seiner Klinik die
Amputationen ausgeführt hat. Das Verfahren ist aber selbst Chirurgen in der nächsten
Umgebung von Padua unbekannt geblieben und auch nicht zur Kunde Esmarchs ge
langt. Vanzetti hat für seinen Schüler Sylvestri in einem Briefe vom 5. Decbr. Prof.
Esmarch gebeten, jenem die Priorität zuerkennen zu wollen. Prof. Esmarch antwor
tete ihm unterm 10. ejusd. m., dass er keinen Augenblick anstehe, dem Herrn Gran-
desso Sylvestri die Priorität für die Verwendung des Gummischlauches zur Compression
der Arterienstämme zuzuerkennen, dass er dasselbe aber nicht in Betreff der künst
lichen Blutleere überhaupt zugeben könne. Im Uebrigen sei ihm Nichts unangenehmer
als ein Prioritätsstreit über wissenschaftliche Gegenstände , er sei zufrieden, wenn er
etwas zur Linderung der Leiden seiner Mitmenschen beigetragen habe.
Mag auch Sylvestri bei Amputationen sich der elastischen Binde zur Herstel
lung der Anämie und des Kautschuksehlauchs zur Hemmung des arteriellen Blutzu
flusses bedient haben, Esmarch ist dabei nicht stehen geblieben, er lehrt sie anwenden
bei allen Operationen an den Gliedmassen und männlichen Sexualorganen und hat
diese seine Erfindung der chirurgischen Welt bekannt gemacht. Und in Bezug dar
auf stehen auch die meisten keinen Augenblick an, Esmarch die Priorität der künst-
licen Blutleere bei Operationen zu vindiciren. Billroth sagt in seinem früher erwähnten
Artikel 43 ) zum Schluss: „Die Idee ist ja uralt, wie auch die Bestrebungen, sie mög
lichst vollkommen zu realisiren. — Für Deutschland hat Esmarch jedenfalls nicht nur
das Becht der Priorität, sondern zumal das Verdienst, seine mächtige Stimme erhoben
zu haben für das durch Vereinfachung und Vervollkommnung von ihm erst recht
brauchbar gemachte Verfahren, ohne Blutverlust Operationen an den Extremitäten
auszuführen.“
41 ) Bulletin de la societe de Chirurgie, Paris 1856.
42 ) Gazetta medica Italiana, Provincie Yenete, 16. Dieembre 1871.
4ä ) Wiener medicinische Wochenschrift 1873, Nr. 29.

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