Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Esmarehs von den bedeutendsten Chirurgen Deutschlands als eine der vortrefflichsten 
chirurgischen Errungenschaften der Neuzeit in Anwendung gezogen ist, dass sich die 
selbe in den grössten Kliniken wie in der Privatpraxis in gleicherweise bewährt hat. 
In England ist die Methode der künstlichen Blutleere von Esmarch in die 
Praxis eingeführt von William Mac Cormac, Chirurg am St. -Thomas - Hospital in 
London. Am 16. August 1873 wendete er sie zum ersten Mal, wie er selbst sagt, in 
ganz England bei einer Necrotomie der Tibia an und war über den Effect der Me 
thode so erstaunt und so entzückt, dass er sich gedrungen fühlte, schon früh seine 
geringen Erfahrungen darüber zu veröffentlichen. 16 ) 
Prof. Hymphry 17 ) in Cambridge beschreibt die Anwendung des Verfahrens in 
3 Fällen, von denen freilich zwei einen tödtlichen Ausgang nahmen. 
Im December 1873 veröffentlicht Mr. Square, 18 ) Chirurg an dem South Devon 
and East Cornwall Hospital, 3 Fälle, die er nach Herstellung der künstlichen Blutleere 
Esmarehs operirt hat, 2 Necrotomien und eine Amputation, an welche anknüpfend er 
die Vorzüge der Methode für Operateur und Patienten schildert. 
Samson Gamgee 19 j, Chirurg an dem Queens Hospital in Birmingham, theilt 
auch seinen ersten Versuch bei einer Necrotomie des Oberschenkels mit und rühmt 
üiit Enthusiasmus die künstliche Blutleere und betont ihre Vorzüge für die Operation 
^ie für die Nachbehandlung. 
Mr. J. Kellet-Smith 20 ) berichtet einen Fall von eitriger Kniegelenksentzündung, 
in welchem er die künstliche Blutleere nach. Esmarch zur Untersuchung des Gelenks 
und nachfolgenden Amputation des Oberschenkels angewendet hat. Er rühmt die 
Methode, die geringe Reaction nach Anwendung derselben und die schnelle Heilung. 
Prof. Erichsen 21 ) räumt der Methode durchaus keine Originalität ein, weil 
sie im Princip der von Bell angegebenen und der von ihm seit längerer Zeit 
angewandten gleich sei. Esmarch habe nur das Verdienst, sie auch auf andere Ope 
rationen, als Amputationen, ausgedehnt zu haben. 
Wenn in London die Erfindung Prof. Esmarehs gebührend, ja enthusiastisch 22 ) 
16 ) Medical Times & Gazette, London, Novbr. 15. 1873: „The importance of the simple and efficiant 
method briefly described by Prof. Esmarch at the second Surgical Congress in Berlin, for preventing loss of 
blood during operations on the limbs, appears to me so great, that J take the earliest opportunity of communicating 
«»y experienie on the subject, brief though it be.“ 
17 ) The Lancet, London, 2 2. November 1873. 
18 ) The British Medical Journal, December 187 3. 
19 ) The Lancet, London, Decbr. 20. 187 3. 
20 ) The Lancet, London, Decbr. 20. 1873. 
21 ) Medical Times & Gazette, London, January 10. 1874. 
22 ) So -schreibt Mac Cormac in einem Briefe an Stromeyer vom 24. Novbr. 1874: „I wish, Esmarch 
could know, what a reception his method has had in England. It has simply spread, like wildfire over the London 
a nd Country Hospitals, and our instrument maker tells me, he cannot fast enough supply the demand made upon
	        

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