Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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nassen leinenen Binde zuvor fest eingewiekelt, um das darin enthaltene Blut zurük- 
zudrücken und dem Körper zu erhalten, an der centralen Grenze der Einwicklung 
wurde ein Schraubentourniquet angelegt. Der Vortheil dieses Verfahrens muss nicht 
bedeutend gewesen sein, denn es wurde bald vernachlässigt, die Einwicklung unter 
blieb, das Tourniquet wurde durch die Digitalcompression ersetzt. 
Stromeyer 2 ) umwickelte gleichfalls, als er im Jahre 1853 ein Brachialaneurysmä 
operiren sollte, den Arm von unten nach oben mit einer Binde bis zum Aneurysma 
hinauf und legte oberhalb desselben ein Tourniquet an. Die Blutung war sehr gering» 
die Operation bequemer als je zuvor in ähnlichen Fällen, 
Auch die indischen Militairärzte 3 ) haben ein ähnliches Verfahren bei Opera 
tionen an den männlichen Geschlechtsorganen angewendet. 
In Edinburg ist das Princip des Blutsparens durch feste Entwicklung der 
Extremität mit Binden seit einer Reihe von Jahren bekannt und von Prof. Ch, Bell 4 * ) 
in seinem Lchrbuche empfohlen. Prof. Erichsen hat dasselbe durch Erheben des 
Gliedes und durch sanftes Streichen an demselben in der Richtung von unten nach 
oben zu erreichen gesucht nach dem Vorgänge von Clover und dies in seinem Handbuch ’) 
angerathen. 
Prof. Verneuil 6 ) und Dr. Lannelongue in Paris haben nach dem Vorgang 0 
von Dr. Guyon durch Erheben der Extremität während des Chloroformirens dieses 
möglichst blutleer zu machen gesucht, dann eben unterhalb der Amputationsstelle 
einen zusatnmenschnürenden Schlauch angelegt, um die venöse Blutung zu hemmen- 
Ihre Methode wurde aber erst nach der Veröffentlichung von Esmarchs Verfahren 
bekannt gemacht. 
Im Jahre 1862, 7 ) war es, dass Prof. Esmarch der vorhergehenden Einwicklung 
der Extremitäten von unten nach oben behufs der Ersparung von Blut bei Amputa 
tionen zum ersten Mal öffentlich das Wort redete. 
Aus dem Gesagten erhellt, dass die Methode der festen Einwicklung von 
Gliedmasen, um dem Körper das Blut zu erhalten, schon früh und von bedeutenden 
Chirurgen bisweilen geübt worden ist, dass aber die meisten dieselbe wieder verlassen 
haben, weil die Vorzüge des Verfahrens der Complicirtheit desselben nicht entsprachen- 
Prof. Esmarch ist vielleicht der einzige Chirurg, welcher dasselbe bei Amputationen 
consequent, bei andern Operationen an den Extremitäten hie und da durchgeführt 
hat, der in richtiger Würdigung des Werthes der Blutersparung nicht abliess, immer wieder 
2 ) Maximen 18 61 pag. 164. 
3 ) Medical Times & Gazette London Novbr. 15. 1873: Bloodless operations by Dr. Fayrer. 
4 ) Illustrations of the Great Operations of Surgery 1821 pag. 58. 
;l ) Science and art of Surgery 1864. 
B ) Gazette medicale de Paris Nr. 50 1873: Seance de la Society de Chirurgie Novbr. 12. 1873. 
7 ) Bericht über die I. und II. Versammlung des Vereins baltischer Aerzte pag. 11. Danzig 1863.
	        

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