Motto: Denn des Leibes Leben ist im Blut.
3. Mose, 17,11
Es sind nunmehr IV2 Jahre verflossen, seitdem die künstliche Blutleere bei Operationen
an den Extremitäten und den männlichen Sexualorganen consequent an der hiesigen
chirurgischen Klinik angewendet wird. Es dürfte nicht uninteressant sein, jetzt ein
mal eine Uebersicht der Operationen und der Erfolge, die bei denselben erzielt sind,
zu gewinnen, zumal an der Klinik, von welcher aus diese Methode sich in so kurzer
Zeit nicht nur durch ganz Deutschland, ganz Europa, sondern durch die ganze civili-
sirte Welt Bahn gebrochen hat.
Zuvor jedoch dürfte es angemessen sein, der Geschichte dieses so jungen
Operationsverfahrens zu gedenken, das von Herrn Prof. Dr. Esmarch zu einer solchen
Vollkommenheit und Einfachheit gebracht wurde, dass es von jedem praktischen
Arzte angewendet werden kann, dass es jedem Unglücklichen, der sich an einem der
Gliedmassen operiren lassen muss, zum Nutzen dienen wird.
Das Problem der künstlichen Blutleere, oder der Versuch einer Lösung der
Aufgabe, nicht nur den Zufluss des arteriellen Blutes zur Operationsstelle zu verhin
dern, sondern auch das in den zu amputirenden Gliedmassen enthaltene Blut in den
Körper zurückzudrängen und so demselben zu erhalten, ist nicht erst neueren Datums.
Schon im frühen Mittelalter übte man die Bindung, d. h, die Umschnürung
der zu amputirenden Extremität aus.
1806 hat Sartorius das Bein des Patienten mit einer leinenen Binde umwickelt
ünd die Arteria femoralis durch eine graduirte Compresse und ein Tourniquet com-
prirnirt, bevor er zur Durchschneidung der Achillessehne einen 4 Zoll langen Einschnitt
üiachte.
Auch v. Langenbeck hat kurze Zeit hindurch 1853 und 54, als Prof. Billroth *)
bei demselben Assistent war, den zu amputirenden Theil des Gliedes stets mit einer
>) Wiener Mediciniscbe Wochenschrift 19. Juli 1873 : Erfahrungen über Esmarch’s Methode der Blut-
ei 'sparung bei Operationen an den Extremitäten.

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