Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

zapfen der Carcimone der äussern Haut aus Plattenepithelien sich zusammensetzen, 
die vom Darmkanal ausgehenden Krebse Cylinderzellen führen und die Nieren 
krebse Zellen, welche den Epithelien der Harnkanälchen täuschend ähnlich sehen, 
so hat die Annahme, dass das vorliegende Carcinom aus dem Gefässendothel 
hervorgegangen ist, jedenfalls ihre Berechtigung. Und ich glaube, dass grade dies 
ein Fall ist, in dem man den Fingerzeig, der durch das ganz charakteristische 
Aussehen der Zellen gegeben wird, nicht ignoriren darf. 
Denn thut man dies, will man streng nach der Waldeyer’schen Ansicht 
auch für dieses Carcinom den epithelialen Ursprung festhalten, so wird man darauf 
angewiesen, zur Beantwortung der Frage, wie denn im Sinus renalis, einem Orte, 
der frei ist von epithelialen Gebilden, eine krebsige Degeneration auftreten kann, die 
— zuerst von Thiersch ausgesprochene — Hypothese zu Hülfe zu nehmen, dass in 
Folge anomaler Vorgänge bei der ersten Entwicklung später sich Epithelreste an 
Stellen finden, wo sie eigentlich nicht Vorkommen sollten, und dass diese den Aus 
gangspunkt für die Entwicklung eines Krebses abgeben können. Dann aber wird 
wieder die Thatsache auffallend sein, dass die Zellen so ganz den Gefässendothe- 
lien gleichen, und deshalb, meine ich, ist einfer Annahme, welche einerseits keine 
Hypothese involvirt, andererseits alles einfach erklärt, der Vorzug zu geben. 
Ich gerathe dadurch allerdings in Widerspruch mit der jetzt vorherrschenden 
Ansicht von der epithelialen Entwickelung der Carcinome. Aber obwohl durch 
zahlreiche Untersuchungen extirpirter Tumoren, die ich als Assistent der chirurgi 
schen Klinik vorzunehmen hatte, ein Anhänger der Thiersch-Waldeyer’schen 
Anschauung, glaube ich doch, dass erst durch völlige Sichtung des Materiales und 
strenge Ausscheidung der nicht zugehörigen Fälle diese Lehre allgemeine Annahme 
finden wird. Denn der vollständigen Anerkennung eines neuen Satzes, eines be 
deutenden Fortschrittes auf irgend einem Gebiete steht immer am meisten die zu 
grosse Verallgemeinerung entgegen, zu welcher namentlich die Anhänger eines 
solchen geneigt sind. Erst durch die Einschränkung auf die richtigen Grenzen, wie 
sie häufig nur nach langem Streite zu Stande kommt, vermag ein solcher Fort 
schritt sich zur allgemeinen Geltung zu bringen. 
Wie nun in der normalen Histologie durch His glücklich von den echten 
Epithelien die falschen oder Pseud-Epithelien abgetrennt worden sind, so wird es 
auch erlaubt sein, für die pathologischen epithelartigen Bildungen eine solche Aus 
scheidung vorzunehmen und Geschwulstgattungen aufzustellen, welche in der Form 
ihrer Elemente den echten epithelialen Geschwülsten ebenso ähnlich sehen, wie eben 
die normalen Pseudoepithelien und Endothelien den normalen echten Epithelien. 
Solche Endothelgewächse sind unzweifelhaft weit seltener, als die echten Epithelialen, 
aber sie sind doch streng abzutrennen, um nicht Verwirrung hervorzurufen. 
Der Nachweis, von welchem Theile die vorliegende Neubildung ausgegangen
	        

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