paranephritischen Ursprung zuschreiben möchte, aufzufinden, abgesehen von einem
Falle, der von Beyer lein*) veröffentlicht wurde, und einem Falle, den Cruveilhier**)
abbildet.
Es wäre aber übereilt, wollte man aus diesem negativen Resultat überhaupt
auf ein seltenes Vorkommen derselben schliessen. Ganz einfach erklärt sich dieser
Umstand, wenn man annimmt, dass Fälle der Art wohl zur Beobachtung gekommen,
aber nicht erkannt und richtig gedeutet sind, und dass eben deshalb die Punkte,
aus denen ein als Nierencarcinom beschriebenes noch nachträglich als paranephriti-
sches diagnosticirt werden könnte, in der Beschreibung nicht hervorgehoben sind.
Eine Stütze für diese Ansicht kann man in dem Falle von Cruveilhier finden.
Aus der Beschreibung ist nicht zu entnehmen, dass derselbe irgendwie von einem
gewöhnlichen Nierenkrebse sich unterschieden hat, während aus der Abbildung nicht
undeutlich hervorgeht, dass das Carcinom vom oberen Ende des Hilus aus in die
Drüse hineingewuchert ist. Dieselbe ist fast ganz aufgegangen in der Neubildung;
nur am unteren Ende und am convexen Rande findet sich ein schmaler jRaum von
Parenchym erhalten, und die Kelche sind von den vom Becken aus hineinwuchernden
Massen stark erweitert und nach unten hin verdrängt.
Beyer lein beobachtete seinen Fall bei einem zweijährigen Kinde; der Krebs
war von hinten und vom Hilus her in die Niere hineingewuchert, letztere io cm.
lang und breit, auf dem Durchschnitte das Parenchym allenthalben atrophirt, im
oberen Drittheil ganz verschwunden. Doch hat auch er nicht genügend hervor
gehoben, dass ein genetischer und anatomischer Unterschied besteht zwischen dem
von ihm beschriebenen und einem echten Nierencarcinom. Er erwähnt nur nebenbei
(p. 27), „dass wir es hier mit einem secundären Nierenkrebse zu thun haben, indem
der Krebs nicht eigentlich die Niere selbst betrifft, sondern, von dem retroperitonealen
Zellgewebe ausgehend, nur die Niere verdrängt, verunstaltet hat, und vom Hilus
aus gegen das Nierenbecken hineingewachsen ist.“
Soviel aus seiner Beschreibung hervorgeht, ist übrigens das fragliche Carci
nom lange nicht so gut abgegrenzt gewesen, wie das unsrige, denn ein grosser
Theil der Neubildung scheint ausserhalb der Kapsel gelegen zu haben.
Man, wird natürlich vorsichtig verfahren müssen, wenn es sich um die Ent
scheidung handelt, ob ein Carcinom als paranephritisches oder als retroperitoneales
zu bezeichnen ist; denn bekanntlich umwuchern letztere im Verlaufe ihres Wachs
thums häufig die Nieren und zerstören sie durch ihr Uebergreifen.
Es ist nicht möglich, schon gleich allgemein gültige Regeln aufzustellen, und der
Versuch dazu würde nur zu Irrthümern führen, aber ich glaube, im Grossen und Ganzen
*) Beyer lein. Das Carcinom der Niere. Diss. in augural. Erlangen 1867.
**) Cruveilhier, Anat. path. Livr. 18. PI. 1.

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