Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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sächlich in der Corticalis circumscripte Knoten eingesprengt, die isolirt von ein 
ander weiter wuchern, bis sie confluiren, oder es ist ein einzelner Herd vorhanden, 
von dem aus im weitern Verlaufe eine ausgebreitete Umwandlung der Nieren 
substanz im Krebsgewebe zu Stande kommt. Bei recht diffuser und gleichmässiger 
Einlagerung bleibt dabei die Form der Niere erhalten, und als Beweis der direkten 
Umwandlung des Nierenparenchyms in die Neubildung ist gewöhnlich noch deutlich 
zu erkennen, welcher Theil früher Marksubstanz war und welcher Corticalis. 
Was letztem Punkt anbetrifft, so ist auch hiervon in unserm Falle keine 
Andeutung vorhanden; es ist augenscheinlich, dass es sich hier nicht um eine Um 
wandlung der Nierensubstanz handelt, sondern um eine Verdrängung und Compression 
derselben, wie sie überall die in der Umgebung einer rasch wachsenden Neubildung 
gelegenen Theile erfahren. 
Dass die Grenze zwischen Carcinom und Niere eine wenig scharfe ist, ist 
hierfür ohne Bedeutung; wie weiche Carcinome durchgehends diffus in die um 
gebenden Weichtheile übergehen, so ist es auch hier der Fall, und man darf aus 
diesem Umstande nicht schliessen auf eine direkte Betheiligung des Nierenparenchyms. 
Volle Sicherheit über die Richtigkeit des Resultats der makroskopischen 
Untersuchung giebt der mikroskopische Befund. Nachdem schon seit längerer Zeit 
Waldeyer die Entwicklung der Nierencarcinome aus den Epithelien der Harn 
kanälchen wahrscheinlich gemacht und neuerdings v. Per ewers eff*) dieselbe sicher 
bewiesen, darf man annehmen, dass ein Carcinom, bei dem sich durchaus keine 
Betheiligung der Nierenepithelien nachweisen lässt, auch nicht von der Niere aus 
gegangen ist. So in dem vorliegenden Falle. Ich fand bei der Untersuchung der 
Uebergangspartieen nur eine mehr oder minder ausgesprochene Atrophie der Harn 
kanälchen, die Epithelien ohne Ausnahme körnig getrübt, zum Theil mit grösseren 
und kleineren Fetttröpfchen gefüllt und stellenweise ganz im Zerfall begriffen. Dabei 
war das interstitielle Bindegewebe vermehrt und mit Rundzellen infiltirt. Ob diese Ver 
unehrung nur eine relative, durch Verödung und Ausfall vieler Harnkanälchen zu 
Stande gekommene, oder eine wirkliche, nur durch Wucherung bedingte war, will 
ich nicht entscheiden. Doch ist dies auch irrelevant, nachdem nachgewiesen, dass 
eine Wucherung der Epithelien nicht Statt hatte sondern im Gegentheil eine Zer 
störung derselben sich vorfand — ein Umstand, der die Entstehung des Carcinoms 
von der Niere aus mit Sicherheit ausschliessen lässt. 
Ich habe mich bemüht, aus der Literatur hierhergehörige Fälle zu sammeln, 
doch ist es mir nicht gelungen, unter der ziemlich grossen Menge von Nieren- 
carcinomen, die beschrieben worden sind, solche, denen ich einen unzweifelhaft 
*) Virch. Arch. Bd. 59.
	        

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