Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

graurothen gelbgesprenkelten, theilweise etwas radiäre Anordnung zeigenden locker 
porösen Knoten, die durch eine dünne bindegewebige, an manchen Stellen ganz 
durchbrochene, jedoch noch sehr deutlich erkennbare Scheidewand von der übrigen 
Geschwulst und durch ebenso beschaffene Septa untereinander abgegrenzt werden, 
und so als secundäre Anlagerungen erscheinen. 
Die Nierenkapsel ist grösstentheils erhalten; soweit sie den Rest der Niere 
überzieht, ist sie mässig verdickt und ziemlich leicht lösbar. Auf der dem con 
vexen Rande der Niere entsprechenden Hälfte des Tumors lässt sie sich als eine 
bis zu 3 mm. verdickte, dje Geschwulst straff umhüllende Membran bis zur halben 
Höhe derselben herunter verfolgen. Dann scheint sie sich allmälig zuschärfend zu 
verlieren, und ihre Function wird übernommen von dem stark gewucherten und ver- 
dichteten perirenalen Zellgewebe, das nach Art einer Kapsel eine derbe Hülle für 
den 1 umor bildet. Vielleicht aber — es lässt sich nichts sicheres darüber ent 
scheiden — ist sie auch noch über dem übrigen Theile der Geschwulst erhalten. 
An der Vorderseite betheiligt sich auch noch das Bauchfell an der Bildung 
der Kapsel, und mit dieser ist wiederum das straff ausgespannte omentum ver 
wachsen. 
Das Nierenbecken lässt sich in Kelche verfolgen, die ziemlich weit nach ver 
schiedenen Richtungen in den Krebstumor sich erstrecken; durch den Druck der 
Geschwulstmassen hat es in seiner unteren Hälfte sein Lumen eingebüsst, und zu 
gleich ist dieselbe nach innen und oben dislocirt worden. Es geht in einen anschei 
nend normalen Ureter über, der in seinem Anfangstheile gleichfalls eine Aenderung 
der Lage erfahren hat; er verläuft einige Centimeter weit schräg nach oben und 
innen, scheint aber seine Durchgängigkeit bewahrt zu haben, denn es fehlt jede 
grössere Flüssigkeitsansammlung im Nierenbecken. 
Die vena cera inferior zeigt in ihr Lumen etwa i cm. weit hineinragend 
einen ganz blass gelblich und röthlich weissen Thrombus, welcher von hier aus 
fast das ganze Lumen der vereinigten Nieren- und Nebennierenvenen ausstopfend 
dieselbe ausserordentlich stark, bis zu daumendick, erweitert. 
Es gelingt, mit der Sonde einen direkten Zusammenhang der obenerwähnten 
thrombosirten Gefässe mit der Nierenvene nachzuweisen. 
Die mikroskopische Untersuchung ergiebt folgendes: Die weichen Partieen 
des Tumors bestehen aus enorm grossen vielgestaltigen, schleierartig dünnen Carci- 
nomzellen mit einem oder auch mehreren, theils runden, theils etwas ovalen 
grossen Kernen, die wieder mit deutlichen Kernkörperchen versehen sind. Sie 
haben vorwiegend rhomboide bis spindelförmige Gestalt, nur einzeln kommen 
rundliche Formen vor, und zwar erreichen diese durchweg lange nicht die Grösse 
der übrigen. Sie sind fast ohne Ausnahme mit feinen Körnchen, die Mehrzahl 
auch mit grossem oder kleinern Fetttröpfchen durchsetzt, viele sind in vollständige
	        

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