Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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gemacht. Hiernach sollte man allerdings im vorliegenden Falle sechs Nabelgefässe 
erwarten, da die Lebern doch einen bedeutenden Grad der Vervollkommnung er 
reichten. Meistens pflegen sich, wenn eine vordere und hintere Leber vorhanden 
ls h die Gefässe in die vordere zu inseriren, im vorliegenden Falle tritt das entgegen 
gesetzte Verhältniss ein. 
Von der vollkommensten Isolirung zweier sterna an, wie wir sie bei den 
Siamesischen Zwillingen finden, bis zu der Bildungsstufe herab, welche sich dadurch 
charakterisirt, dass beide sterna in ein gemeinsames vorderes verwandelt sind, ver 
bunden mit einem mehr oder weniger ausgebildeten hinteren sternum, giebt es. 
manche Varietäten; die vorliegende Sternalbildung findet am ehesten ein Analogon 
m einem von Vrolik mitgetheilten Falle. Was nun die Entstehung dieser For 
mation anbetrifft, so könnte man sich vorstellen, dass in der ersten Entwicklung 
des Knochensystems, als die beiderseitigen Rippen in Zusammenhang mit je einer 
Sternalhälfte sich zu verbinden strebten, und eine vollständige Vereinigung wegen 
des dichten Aneinander- oder vielmehr Gegenüberliegens der Früchte nicht hat 
stattfinden können, der untere Theil jedes Sternums nach vorn und nach hinten 
ausgewichen, und so eine vordere und hintere Verschmelzung von je zwei Sternal- 
bälften zu Stande gekommen sei. Allerdings bleibt es immer auffällig, dass nicht 
mich hinten ein processus ensiformis existirt. Im Falle II a, welcher eine sehr 
ähnliche Formation des sternums zeigte, fehlte jedoch auch der vordere Schwert 
fortsatz, während der hintere ausgebildet war. 
Die Lungen pflegen in der Regel normal zu sein, und nur in der Lappen- 
bildung scheinen unbedeutende Abweichungen ziemlich oft vorzukommen. Das 
eigentümliche Verhalten der Lungenränder in dem eben beschriebenen Falle ist 
Natürlich eine Folge der skoliotischen Verkrümmung der Wirbelsäule. 
Haller, Meckel, St. Hilaire, Otto stellen als Norm auf, dass die Herzen 
m ein grosses, in einem pericardium liegendes Herz verschmolzen sind. Die 
Zahl der Ventrikel variirt zwischen zwei und vier. Bei Meckel finden wir den 
seltenen Fall notirt, welchen Fanzagus 17 ) beobachtete, dass zwei Herzen, jedes 
m sei nem pericardium liegend, gefunden wurden. Otto )8 ) citirt noch drei Beispiele 
derselben Art, und im Falle II a fand dasselbe Verhältniss Statt. Hier lagen auch 
die Herzen an der normalen Stelle bei jedem Individuum. Als Regel scheint je 
doch festzustehen, abgesehen von der Simplicität oder Duplicität des Herzens, dass 
stets zwei Aorten, eine für jeden Körper, vorhanden sind. In dem vorliegenden Falle 
lst die Lage der Aorten und der Pulmonalarterien normal. Die beiden an ihren 
Enden obliterirten Stränge, welche sich jederseits von dem Rande des Herzens 
1| ) }■ F- Meckel, de duplicitate monstrosa commentarius. Halae et Berolini 1815, p. 87. 
1S ) Otto, 1. c. p. 171,
	        

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