Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Weder der äussere, noch der innere Genitalapparat bietet nennenswerthe 
Eigentümlichkeiten, uterus und ovarien verhalten sich in Lage und Zahl normal, 
zu erwähnen ist, dass das ovarium dextrum der Frucht A etwas kleiner ist. 
Wie schon vorher bemerkt wurde, zeigt der Nabelstrang auf dem Durch 
schnitte die lumina von nur vier Gefässen; die genauere Untersuchung bestätigt 
diesen Befund, und ergiebt das Fehlen zweier arteriae umbilicales dextrae, je eine 
für jede Frucht. Die beiden venae umbilicales vereinigen sich da, wo sie in die 
Bauchhöhle eintreten zu einem etwas grösseren Stamme, welcher an der Rückseite 
der Missbildung seinen Weg nach der hinteren Leber einschlägt. 
E p i c r i s e. 
Behufs einer Vergleichung des vorliegenden Falles mit' noch fünf anderen von 
Dönitz 14 ) a und b, Tacke 15 ) und Schraven a und b mitgetheilten Fällen, sei 
es mir gestattet, diese letzteren mit II a, II b, III, und ^IV a, IV b zu bezeichnen. 
Von sämmtlichen Primitivorganen der eben beschriebenen Missbildung ist nur 
das Hautsystem, das Wirbelsystem, das Herz, die Leber und ein Theil des Darms 
beiden Individuen gemeinsam. Dass das Geschlecht bei beiden Früchten das gleiche 
ist, bestätigt nur die allgemeine Ansicht der Autoren über diese Frage, und noch 
kürzlich äusserte sich B. S. Schultze 16 ) ganz bestimmt über diesen Punkt, indem 
er sagt: „Die für einzelne Fälle aufgestellte Behauptung, dass in einem Ei gelegene 
Zwillinge, oder dass die Leiber eines Doppelmonstrums verschiedenes Geschlecht 
gezeigt hätten, hat sich stets bei genauer Untersuchung als irrig erwiesen.“ Förster 
giebt seiner Meinung in ähnlichen Worten Ausdruck. 
Zunächst 'muss uns die Bauchspalte mit der sie bedeckenden dünnen, den 
Eihäuten ähnlichen Membram auffallen. Fälle dieser Art finden wir bereits erwähnt, 
jedoch bleibt es eigenthümlich, dass die normale Haut mit einem scharfen Rande 
plötzlich aufhört, ohne dass ein allmähliger Uebergang in die dünne Membram er 
folgt wäre, und diese sich ohne Unterbrechung und ohne makroscopische Veränderung 
in die Umhüllung des Nabelstrangs fortsetzt. Die Vertheilung der Gefässe in Letzterem 
zeigt bei den Sternopagen eine grosse Mannigfaltigkeit, so wurden im Falle II a 4, 
im Falle II b 6 Nabelgefässe beobachtet, während im Falle IV a nur 2 und im 
Falle IV b 5 Lumina nachgewiesen werden konnten. Man hat die Zahl der Nabel 
gefässe mit der Entwicklung der Leber in Verhältniss zu bringen gesucht, und die 
grössere Vollkommenheit der Letzteren von der Zahl der Nabelgefässe abhängig 
14 ) W. Dönitz, Reicherts Archiv. 1865, pag. 113 u. p. 129. 
15 ) Tacke. De Steropago. Dissertation Halle 1864. 
16 ) B. S. Schultze. R. Vollkmann’s Sammlung klinischer Vorträge No. 34.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.