Um sowohl die Beschreibung als auch das Verständniss des vorliegenden
Falles zu erleichtern, sei noch Folgendes bemerkt: Der Ausdruck, die vordere Seite
der Doppelbildung, bezeichnet die Seite, wie sie sich aus Fig. I. ergiebt, nämlich
eine rechte Seite des rechten A. und eine linke Seite des linken Individuums B
Ist dagegen von der vorderen, der hinteren, der rechten und linken Seite eines
Individuums die Rede, so denke man sich die Doppelbildung durch einen, durch
das Verbindungsstück geführten Schnitt getrennt, so dass dann für jedes Indivi
duum die üblichen Bezeichnungen in Kraft treten.
Aeussere Beschreibung:
Die beiden äusserlich wohl ausgebildeten Kinder sind weiblichen Geschlechts.
Sie sind von mittlerer Grösse und zeichnen sich durch einen mehr gedrungenen
Habitus aus. Besonders tritt die Dicke der Flälse stark hervor, so dass sich die
Köpfe äusserlich nicht sehr prägnant von jenen abheben. Haare und Nägel sind
so gestaltet, wie bei vollständig ausgetragenen Früchten. Eine ziemlich bedeutende
lordotische Verkrümmung erstreckt sich bei beiden Individuen von den unteren
Brustwirbeln über die ganze Lendenwirbelsäule, und obgleich das Präpärat während
vier Jahre in Spiritus aufbewahrt wurde, müssen wir doch annehmen, dass die Lor
dose bereits bei der Geburt der Missbildung bestand. Ausserdem aber zeigen beide
Individuen eine beträchtliche Skoliose der Brust- und der ganzen Lendenwirbel
säule, und zwar nimmt die Skoliose des rechten Individuums die Richtung von
r echts nach links, während das umgekehrte Verhältniss beim linken Individuum auf-
tritt, so dass beide Wirbelsäulen mit ihren Krümmungen zu einander geneigt sind.
Die Extremitäten sind eher kräftig als plump zu nennen, die Köpfe von rundlicher
Gestalt. Beide Individuen sind sich durch die Stelle der Verwachsung so zugekehrt,
dass die rechte Seite des einen der linken Seite des andern entgegensteht und um
gekehrt, jedoch treffen die Medianebenen beider Individuen in einen nach hinten
offenen stumpfen Winkel zusammen; so beträgt denn auch die Entfernung der Brust
warzen vorn 5 Cent, und hinten nur 3 Cent.
Vom Hautsystem ist zu berichten, dass an der Verwachsungsstelle äusserlich
keine Grenze zwischen beiden Früchten nachzuweisen ist. An der vorderen Fläche
der Missbildung aber, in der Umgebung der Insertion des Nabelstrangs bemerkt
man anstatt der normalen Haut einen dünnen, glatten, glänzenden Ueberzug, welcher
our aus der Epidermis besteht. Dieser Defekt der normalen Körperbekleidung stellt
etwa die Form eines Ovals dar, dessen etwas verjüngte Spitze in die vordere regio
epigastrica der Missbildung reicht, und dessen breitere Basis den unteren Theil der
gemeinsamen Verbindungsbrücke bildet. Die Länge dieses Defekts beträgt 9,4 Cent.,
die Breite 6,5 Cent. Vor Allem fällt der scharfe Rand in die Augen, durch welchen
dieses Oval sich von der umgebenden Bauchwand abtrennt, und die äussere Be-

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