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dreissiger Jahren des vorigen Saeculums im Schoosse der französischen Academie
zu Paris zwischen Winslow und Lemery. Während Ersterer die Begründung
der Doppelmissbildungen in fehlerhaft gebildeten Keimen suchte, verfocht Letzterer
seine Ansicht von der Verschmelzung und Verwachsung zweier normal gebildeter
Keime. Dieser Streit, welcher länger als durch zehn Jahre in der französischen
Academie sich abspielte, und dem schliesslich auch Haller beitrat, indem er
Winslows Partei ergriff, endete ohne ein befriedigendes Resultat. Bald darauf
gelang es E. Saint Hilaire bei Hühnereiern durch theilweise Verletzung derselben,
durch gewisse Lagen, durch Ueberzüge, die er über dieselben gemacht, mancherlei
Verunstaltungen des Embryo hervorzubringen, und somit hielt er den äusseren
Einfluss auf die Entwicklung des Embryo für erwiesen und stellte von neuem die
Lehre von der Verwachsung wieder auf. Von der Ansicht ausgehend, dass seine
Lehre nur dann Anklang finden würde, wenn der schon Lemery gemachte Vorwurf
von der ausschliesslichen Vereinigung gleichnamiger symmetrischer Theile, beseitigt
würde, construirte Saint Hilaire einen Lehrsatz von der affinite de soi pour soi 9 )-
Er nahm also das Verschmelzungvermögen gleicher Theile als oberstes Princip in
der Frage von der Entstehung der Doppelmonstra an und konnte, obgleich er den
Beweis dieses Satzes bis jetzt noch schuldig geblieben, die Bildung jedes Doppel-
monstrums von dieser einfachen Voraussetzung abhängig machen, nachdem der
Einfluss äusserer mechanischer Gewalten einmal nachgewiesen. f. G. Saint
Hilaire folgte der Lehre seines Vaters aufs Genaueste und suchte in seinem
umfangreichen Werke für jede Art der Doppelmissbildung auch eine entsprechende
Ursache anzuführen. Die Ansichten der beiden Saint Hilaire wurden zuerst von
Meckel mit Glück bekämpft, und seitdem sind verschiedene Autoren mit Ergeb
nissen neuer Forschungen gegen sie aufgetreten, so dass die Verwachsungstheorie
als fast beseitigt betrachtet werden kann.
Bisch off, 10 ) welcher zuerst bei Säugethiereiern und beim Menschen primitive
Abweichungen in der Bildung des Eies auffand, stellt eine zweite Ansicht auf dahin
lautend, dass die Ursache der Missbildungen entweder und am wahrscheinlichsten
eine ursprüngliche sei, oder in der allerfrühesten Zeit begründet sein müsste. An
dere Forscher beobachteten bei Eiern des Menschen und der Säugethiere doppelte
Dottern und doppelte Keimzellen und wollen auf diese Weise die Entstehuno- der
Doppelmonstra begründen. Nach den neuesten Untersuchungen scheint man in
dieser schwierigen Frage dahin überein gekommen zu sein, dass ein Doppelmon- ,
strum stets in einem normalen Ei entstehe, und dass dieses erst einen nach der
Befruchtung auftretenden eigenthümlichen Bildungsprocess durchmache. Reichert 11 )
!1 ) J. G. Saint Hilaire 1. c. pag. 379.
10 ) W. Bi sch off. Entwicklungsgeschichte. Wagners Handwörterbuch Bd. I, p. 860.
u ) Reichert. Archiv für Anatomie und Physiologie 1864 p. 744.

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