D a in früheren Zeiten das Feld der Anatomie und Physiologie nur wenige
Bearbeiter fand, so ist es nicht zu verwundern, dass in der älteren Literatur die
Bemerkungen und Andeutungen über Missbildungen nur sehr spärlicher Natur sind.
Zwar mussten diese eigenthümlich missgestalteten Wesen von jeher die Aufmerk
samkeit der Menschen auf sich lenken, aber diese, dem Charakter ihrer Zeit ent
sprechend, machten die Missbildungen, anstatt sie einer wissenschaftlichen Untersuchung -
o
zu unterwerfen, eher zum Gegenstand des Schreckens und der Neugier. Dieser
Zug des religiösen Aberglaubens, die Furcht vor dem Walten böser Dämonen und
Ber Gedanke an eine schlimme Vorbedeutung, welche an das Erscheinen eines
Monstrums geknüpft wurde, gepaart mit den abenteuerlichsten Ansichten über die
Ursachen und das Zustandekommen derselben lässt sich aus dem Alterthum bis
durch das ganze Mittelalter verfolgen. Und erst als im siebzehnten Jahrhundert
die Anatomie einen bedeutenden Aufschwung gewann, verbunden mit dem Fortschritt
der Embryologie, mehren sich auch die Angaben über Missbildungen, obgleich doch
mrmer das Auffallende und Merkwürdige viel eher die Triebfeder einer anatomischen
Untersuchung abgab, als das wissenschaftliche Moment. So musste erst die Mitte
des achtzehnten Jahrhunderts heranrücken, bis es Haller 1 ) gelang etwas Ordnung
In das Chaos zu bringen, indem er alle Missbildungen, welche bis dahin beobachtet
waren, zusammenstellte und dieselben, so weit es ihm möglich war, einer wahrheits
getreuen, wissenschaftlichen Darstellung unterwarf. Er fing an bei objektiver Beob
achtung die Entstehung der Missbildungen auf eine wissenschaftliche Grundlage
zurückzuführen, wodurch sich die Nothwendigkeit einer genauen Eintheilung von
selbst geltend machte. Epoche machend in dieser Hinsicht trat Meckel 2 ) auf,
Welcher auf dem von Haller angebahnten Wege fortarbeitend die Missbildungen
b A. von Haller. Opera minora. Lausannae 1762.
2 ) J. F. Meckel. Handbuch der pathologischen Anatomie. Leipzig 1816.

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