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vom 30. I. 74. Am 2ten März d. J. theilt der behandelnde Arzt folgendes mit: »Die von mir
geöffnete Fistel in der Planta zeigte alsbald ein gutes Aussehen, schnelle Heilung und ist jetzt
vernarbt; ebenso heilte sehr rasch die kleine Wunde an der rechten Hand und ist jetzt gleichfalls
vernarbt. Dabei zeigte aber der Patient gleich nach seiner Rückkehr gänzliche Appetitlosigkeit
und es trat in Folge dessen immermehr zunehmende Körperschwäche ein, welche dem Patienten
jetzt das Bett nicht mehr zu verlassen gestattet. Häufiges Hüsteln veranlasste mich, die Brust
zu untersuchen, doch ohne Resultat. Auch das Sensorium des Behnke ist nicht mehr frei; er
macht absolut falsche Ideenverbindungen und redet irre. Puls 90; Temperatur 38,5.« Auf dem
Couvert des Briefes stand bereits: H. Behnke mortuus est.
Recapituliren wir noch einmal kurz die Symptome, wie unser Patient sie während der
Behandlung darbot, die fistulöse Ulceration an der Hand, hervorgerufen durch den Aufbruch
eines kleinen Tumors, die Tumoren im Trigonum inframaxillare, die Auftreibung des Condylus
internus tibiae, dessen Bedeckungen während der ganzen Dauer der Behandlung weder Oedem
noch Röthung zeigten und der auf Druck sehr empfindlich war, das Defluvium capillorum, das
kachektische Aussehen des Individuums, die Fruchtlosigkeit jeder localen noch so rationellen
Therapie, der Erfolg einer fortgesetzten energischen Jodkur —- so dürfte in der That die An
sicht keine gezwungene erscheinen, diese Symptome in ihrer Gesammtheit als den Ausdruck
eines und desselben Leidens anzusehen und zwar einer inveterirten Syphilis. — Der Mittheilung
des Herrn Geh. Rath Prof. Dr, Esmarch verdanke ich ferner noch folgenden Fall:
»Im Jahre 1865 wurde ich zu einer Consultation gerufen bei einem älteren Herrn, der
immer in sehr guten Verhältnissen gelebt hatte und bei dem plötzlich an der Sohle des einen
Fusses ein perforirendes Geschwür aufgetreten war, welches mit dem von Nelaton in seinen
»Elemens de Pathologie chirurgicale« beschriebenen Mal perforant einige Aehnlichkeit hatte. Ais
ich den Patienten sah, fand ich ihn heftig fiebernd; in der Mitte der Sohle befand sich eine
kreisrunde Oeffnung vom Umfang der Spitze meines kleinen Fingers, aus welcher, bei Druck
auf die Fusssohle, ein dünner, übelriechender Eiter abfloss. Die Sonde konnte zwischen den
Metatarsalknochen hindurch bis unter die Haut des Fussrückens geführt werden. Der ganze
Fuss war oedematös geschwollen und gegen Druck sehr empfindlich, namentlich in der Gegend
des Tibiotarsalgelenks. Dieses Geschwür war aus einem missfarbigen, empfindlichen Fleck ent
standen, welcher ohne nachweisbare Veranlassung vor einigen Wochen in der P'usssohle aufge
treten und schliesslich unter Bildung einer Brandblase schwarz geworden war. Eine atheromatöse
Entartung der fühlbaren Arterien liess sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Ich rieth, warme
Fussbäder von langer Dauer anzuwenden und innerlich Jodkalium zu geben, da mir der Hausarzt
mittheilte, dass der Patient vor vielen Jahren syphilitische Geschwüre an den Genitalien gehabt
und seitdem wiederholt an chronischer Heiserkeit und hartnäckigen Gliederschmerzen gelitten
hatte, gegen welche die verschiedensten Brunnen und Bäder ohne Erfolg angewendet worden
waren, während der längere Gebrauch von Jodkalium ihm immer grosse Erleichterung verschafft
hatte. Die Fussbäder linderten die Schmerzen bald, aber der Process schritt in der ersten Zeit
noch vorwärts, indem sich zuerst auf dem Fussrücken ein brandiger Substanzverlust bildete,
durch den die Sonde quer durch den Fuss geführt werden konnte; darauf entstand zur Seite
der Achillessehne ein Abscess, der, geöffnet, saniösen Eiter entleerte. Man hielt den Patienten
für verloren, als plötzlich, etwa am loten Tage bei consequentem Fortgebrauch des Jodkalium,
eine rapide Besserung des ganzen Zustandes eintrat. Das Fieber verlor sich, die Eiterung nahm
rasch einen besseren Character an und nach Verlauf von 8 Tagen waren die Wunden geschlossen.
Patient ging zur Nachkur in eine Wasserheilanstalt und konnte einige Wochen später schon
grosse Spaziergänge ohne Beschwerden machen.«

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