Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

(I" 
sonderte und die Sonde bis auf die rauhen Knochenenden eindringen liess. An der Basis der 
kleinen Zehe bestand eine beträchtliche callösc Epidermisverdickung mit einer nässenden Fissur. 
Am linken Fusse bemerkte man an der Verbindung der ersten mit der zweiten Phalanx der 
grossen Zehe einen kreisförmigen Callus, der in der Mitte von einer rundlichen Oefthung durch 
bohrt war, die Sonde drang unter die verdickte Epidermis wie in eine Cavität, und nach Ab 
tragung der Epidermis stellten sich fungöse Wucherungen dar. Richet cauterisirte nach Ent 
fernung der hornigen Oberhaut die Fistelöffnung am rechten Fuss, worauf Eiterung folgte, die 
z um Einschneiden nöthigte. Die Hautverschwärungen wurden mit Mercurialsalbe verbunden und 
keilten bald. Nach 3 Monaten war Patient hergestellt.« Darf man sich wundern, dass diese 
Beschreibung des Mal perforant von Streubel ungefähr mit folgenden Worten kritisirt wurde: 
■’Das Mal perforant reducirt sich also auf eine Schwiele, die durch Druck und bei Vernachiäs- 
sigung zu Verschwärung, Brand, Knochenhautentzündung, Caries und Necrose führen kann. Ver 
fasser hat vergessen, zu erwähnen, dass allemal schlechte, unzweckmässige Fussbekleidung das 
Uebel hervorruft, dass es gewöhnlich bei Zehenverkrümmungen auftritt. Verfasser führt uns 
längst bekannte Sachen unter einem abenteuerlich-lächerlichen Namen vor etc.« 
Wer wird aber von den von Nelaton beschriebenen P'ällen den Eindruck pathologischer 
Druckproducte bekommen? 
Nelat. Pathol. Chirurg. V, pag. 975 : »An einem Knochenvorsprunge auf dem Fuss bil 
dete sich eine Phlyctäne, welche jetwas eitrige Flüssigkeit enthielt, unter der die Haut eine Ro 
senfarbe zeigte. Nachdem dieser Zustand eine Zeit lang gewährt hatte, wurde allmälig die Haut 
v on aussen nach innen, perforirt und eine kleine Fistel entstand, welche zum Unterhautzellgewebe 
&mg und aus welchem eine eitrige Flüssigkeit ausfloss. Nach 4—6 Wochen stiess die Sonde 
ay f den blossen Knochen, welcher necrotisirt war. Im Verlauf von 12 Jahren wiederholte sich 
dieser Process verschiedene Male, so dass der Kranke während dieser Zeit von Ricord, Blandin, 
Janin, Boyer, Michea und Malgaigne behandelt wurde, welche die eine Zehe nach der andern 
e Xarticulirten. Alle diese Operationen verliefen für den Kranken so schmerzlos, dass Chloro 
form nicht gewünscht und nicht in Anwendung gezogen wurde. Die Krankheit recidivirte aber 
trotz der Operationen und der Patient fürchtete schon die Entstehung derselben Affectionen an 
den Händen, eine Befürchtung, die wir mit Nelaton gerne geneigt sind, auf Grund der lang 
jährigen und traurigen Erfahrungen des Patienten, als eine in der That schon bewarheitete anzu 
sehen. Quel nom donner ä cette maladie? Mais voici qui devient plus etonnant encore, et qui 
semble peu fait pour eclaircir ce qu’a d’obscur ce cas singulier: cette maladie est hereditaire. 
Ce malade a cinq freies; deux sont atteints de la meme maladie et Tun a dejä succombe.« 
Man sieht, wie unendlich verschieden diese beiden Fälle sind; sie sind aber dennoch als 
die Prototype der überhaupt als Mal perforant beschriebenen Fälle anzusehn; diesem oder jenem 
schlossen sich die späteren Beschreibungen an. In keinem aber der nach Nelaton veröffentlich- 
f e n Fälle wurde Heredität nachgewiesen, keiner begann mit einer Pflyctäne, sondern alle mit 
einer Schwiele, Umstände, die durchaus nicht ausser Acht zu lassen sind. Wie sollen wir uns 
diese Abweichung erklären ? Ich glaube, die Ansicht ist keine gezwungene, dass bei der Sucht, 
für diese ganz neuen und interessanten von einem Nelaton zuerst beschriebenen, eigenthümlichen 
Dlcerationen auch Beiträge zu liefern, die Gefahr sehr nahe la^ — ohne übrigens hier die 
traurigen Erfahrungen der letzten Jahre über die Wahrheitsliebe der Franzosen irgendwie verwerthen 
Zu wollen — jedes Ulcus am Fuss, von eigentümlicher Form und Malignität, ohne dass weder 
Anamnese noch andere gleichzeitig auftretende Symptome die Anwesenheit eines constitutionel- 
^ en Leidens verriethen, für ein Mal perforqnt auszugeben. Damit erklärt sich aber auch vielleicht das
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.