2. Serie Nr. 889.« — Die Anführung dieser Zahl der Veröffentlichungen und Mittheilungen über
das Mal perforant du pied möge genügen, um das grosse Interesse zu bekunden, welches seit
Nelaton die Franzosen der Untersuchung und dem Studium dieses Gegenstandes widmeten. Sehen
wir uns aber in der Literatur anderer Nationen um, so finden wir entweder Nichts von Mal per
forant, oder ganz vereinzelte Artikel, die theils das Uebel reduciren auf eine vernachlässigte
Verschwärung am Fuss, theils den Nachweis zu liefern suchen, dass es eine mildere Form von
Lepra anaesthetica sei, theils gar dem Mal perforant das Recht zuerkennen, eine besondere
Krankheitsform auszumachen.
Was nun zunächst die Charactere des Mal perforant anbetrifift, so können wir im Wesent
lichen mit Leplat (Canstatts Jahresbericht 1855, III. 165) nachstehende geben : »Im Beginn meist
hornartige Production auf der Fusssohle an den hervorspringendsten Parthieen — Bildung eines
von allen Seiten mit sehr verdickter Epidermis umgebenen Geschwürs, welches eine serös blutige,
mehr ichoröse, als eitrige Flüssigkeit ausschwitzt—-Entzündung der serösen Bursen, der Synovi
alen, der Sehnen, Articulationen, des Periostes, Ostitis, Caries, Necrose.« Noch mehr aber, als
durch die Tendenz, von der Haut aus nach innen zu dringen und den Knochen zu zerstören,
noch mehr als durch den überaus chronischen Verlauf und den manchmal hartnäckigen Wider
stand gegen jede locale Therapie unterscheidet sich das Mal perforant von andern Geschwürs
formen durch die in einigen Fällen beobachtete grosse Geneigtheit zu recidiviren. Man hoffte
eine Erklärung zu finden für diese Eigenschaften in einer sichtbaren localen Degeneration der
Gewebe, aber selbst die histologischen Untersuchungen, ausgeführt von Morel, Verneuil, Robin,
Follin »des auteurs aussi recommandables les uns que les autres dans Part de la micrographie«
gaben vollkommen negative Resultate. M. Pean fand in einem Fall bei der Section Arteriitis
der Plantaris, Pediaea und Tibialis und ihr Lumen theilweise verengt durch Fibringerinnsel; M.
Delsol in einem Fall Verknöcherung der Fussarterien und in einem andern Verknöcherungen der
Pediaea und Kalkinerustationen der Tibialis postica. Aber die Ansicht, die Entstehung der bösartigen
Ulceration als auf atheromatöser Degeneration der Arterien beruhend erklären zu wollen, findet, um von
andern Einwänden ganz abzusehen, schon darin ihre Widerlegung, dass bei andern Sectionen
nichts derartiges gefunden wurde, und ausserdem das Mal perforant bei Personen zur Beobach
tung kam, deren Alter eine atheromatöse Degeneration der Arterien höchst unwahrscheinlich
macht. Ebenso unbefriedigt mussten jene Erklärungsversuche lassen, die nur zu sehr verrathen,
dass man nicht mit dem Gesammteindruck der als Mal perforant beschriebenen Fälle sich an
den Schreibtisch setzte, sondern nur mit dem Eindruck dieses oder jenes Falles, der, beliebig
herausgegriffen, für die beabsichtigte Erklärung ganz passend war. Hierhin gehört die Inden-
tificirung des Mal perforant du pied mit Hygrom von Paul und mit Entzündung der subcutanen
Schleimbeutel von Gosselin. Bei den so sehr von einander abweichenden Darstellungen aber,
welche schon die Franzosen vom Mal perforant gaben, musste man auf diese Weise natürlich
zu sehr divergenten Meinungen kommen. Man vergleiche nur die von Leplat und von Nelaton
beschriebenen Fälle! C. E. Leplat; (Bull, de Ther. Sept. 1858.) (Schmidt’s Jahrb. 1856. Bd. 89. p. 326.)
»Ein kräftig gebauter qojähriger Mann, der als Commissionair viel gehen musste, be'
merkte seit einigen Jahren hornige Verdickungen an seinen Fussplatten und an der Plantarfläche
der Zehen, welche Schmerz erregten und von Zeit zu Zeit von ihm mit dem Messer schichten
weise abgetragen wurden, wobei er unlängst , in eine kleine mit schwärzlicher Flüssigkeit erfüllte
Höhle eindrang. Seit einigen Monaten war ihm das Gehen trotz festen, weiten Schuhen immer
beschwerlicher geworden, und er suchte endlich zu Bon-Secours Hülfe. Der rechte Fuss war
geschwollen, an der Verbindungsstelle des ersten Gliedes mit dem zweiten der grossen Zehe
befand sich eine Fistelöffnung rings von verdickter Epidermis umgeben, die dünnen Ichor ab

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