Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

die Elasticität E, die zuerst dazu gedient bat, den Zug abzuschwächen, durch ihr Retraktions- 
bestreben, dazu dienen, denselben jetzt zu verstärken, und wir erhalten für die Zugwirkung bei 
der Akkommodation den Ausdruck ä r -\-E=A. Bei der Convergenz wird dasselbe der Fall 
sein mit N, der Elasticität des nerv, opt., und wir erhalten hier gleichfalls die verstärkte Zug 
wirkung: c + N— C— B. — Für das Zusammenwirken der beiden Kräfte erhalten wir also 
eine ähnliche Figur wie bei dem reducirten Auge, ausgedrückt durch die beiden Werthe 
A~h(C—B) und A — (C—B). Ist nun gär die Akkommodations-Anspannung zum Theil eine 
dauernde wie bei der H., und bei dem Akkommodations-Krampfe, so. wird wenigstens der durch 
die Akkommodation gesetzte Reiz beträchtlich gesteigert und eine noch mehr erhöhte Hyper 
ämie die Folge sein. 
Diese sind die Faktoren der aktiven Hyperämie, die noch durch eine passive Hyper 
ämie verstärkt wird; -— eine gleichzeitige venöse Stauung, welche dadurch hervorgerufen wird, 
dass die Gefässe bei ihrem Ein- und Austritte in die und aus der Sclera durch die Conver 
genz; und bei ihrem Uebertritt aus der Sclera in die Chorioidea und umgekehrt, durch die 
Akkommodation eine Zerrung erleiden, wodurch ihr Lumen verengt wird. — Die Arterien 
mit ihren dickeren Wandungen und durch den in ihnen herrschenden höheren Blutdruck werden 
dies Hemmniss der Cirkulation leichter überwinden wie die Venen; und eine Stauungs-Hyper 
ämie die Folge sein. 
Die erste Folge der Hyperämie und aller sie bedingenden Momente ist nun eine be 
trächtliche Erhöhung des intraokularen Druckes. Die Höhe desselben zu bestimmen ist bis 
jetzt nicht gelungen, da die Verhältnisse äusserst schwierig, und die Methoden, die bis jetzt 
angewandt wurden, unvollkommen. Dass sie jedoch keine geringe sei, können wir daraus 
schliessen, dass Hippel und Grünhagen beim Experiment an Katzen fanden, dass die Con 
vergenz allein eine Erhebung des Manometer-Standes von 22—24 mm auf 60—70 mm Hg. bewirkte. 
Die Akkommodation wird noch, abgesehen von der Hyperämie, allein durch den Zug 
des ganzen Sackes der Chorioidea nach vorne, wie Hensen und Völckers nachwiesen, schon 
eine bedeutende Steigerung des intraokularen Druckes bewirken. Der hohe intraokulare Druck 
tritt nun in der Folge als einer der Haupt-Faktoren der späteren pathologischen Veränderungen 
in den Vordergrund. — Wir wenden uns aber zunächst zu einer anderen Folge der Hyperämie: 
Der Erweichung der Gewebe. Um darüber klar zu werden, wie diese erfolgen kann, 
müssen wir noch einen Augenblick zu der Beschaffenheit der gesetzten Hyperämie zurückkehren. 
— Zuerst wird dieselbe natürlich darin bestehen, dass sämmtliche Gefässe übermässig mit Blut 
angefüllt sind, und in Folge dessen ausgedehnt; •— ihr Lumen vergrössert. — Der ganze Augen- 
hintergrund erscheint intensiver roth. 
Kleine Gefässe, die vorher nicht sichtbar, werden jetzt zu einer Grösse ausgedehnt, 
dass wir sie mit dem Auge erkennen können. So sehen wir, hauptsächlich an der Peripherie 
der pap. n. opt. — als dem locus minoris resistentiae, zahlreiche kleine Gefässe strahlenförmig 
über den Rand derselben verlaufen. Ja, die ganze Papille selbst erscheint mehr oder weniger 
geröthet, und die grossen Gefässe lassen sich schwer verfolgen in ihrem Verlaufe unter dem 
Gewirre von Gefässen mittleren und kleineren Kalibers. Ohne Zweifel bilden sich, wie bei jeder 
Entzündung zahlreiche kleine collaterale Kreisläufe, die nach allen Richtungen hin das Gewebe 
durchsetzen. 
Dass ein solches Gewebe, dass von zahlreichen Gefässen, mit ihren elastischen, dehn 
baren Wandungen durchsetzt ist, nicht so widerstandsfähig gegen Zug und Druck wie das 
ursprüngliche', ist einleuchtend; — es ist in ‘der That erweicht, — und hauptsächlich am 
hinteren Pole in der Gegend der pap. n. opt Der Augenspiegel zeigt uns denn auch, wenn 
dieses Stadium erreicht, ein sogenanntes „rosenrothes Staphylom“, d. h. eine erhöhte lebhaftere 
Röthung des Augenhintergrundes an der Papille, welche die Form der Staphylome darbietet, 
weil es das Gebiet umfasst, auf das sich die Wirkung der schädlichen Faktoren ausdehnt.
	        

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