Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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lieh sichelförmige Figur ganz scharf ist, und keine Spuren der Sclerotico-Chorioiditis vorhanden 
Sln d. Es ist, wie gesagt, ein fast constanter Befund, und bildet wohl eine eigene Klasse der 
Staphylome, die, wie gesagt, an der Grenze zur Pathologie steht, — ganz wie die Starrheit der 
Linse im Alter oft schwer zu begrenzende Uebergangsformen zur Cataracta aufweist. — In den 
bei weitem überwiegenden Fällen findet man dies Staphylom an der temporalen Seite. — Es 
fragt sich nun: Wie kommt er zu Stande? — Das Auge ist ein ganz normales, und die Thä- 
hgkeit desselben hat auch nie die normalen Leistungen überschritten; wie kann also das fort 
schreitende Alter die Bildung dieser Figur veranlassen? 
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns unsere beiden Gleichungen vergegen 
wärtigen : A — E—a, und 
C—{B+N) = c. 
a) Betrachten wir zuerst die erste Gleichung: A ist der ganze Akkommodations-Zug, 
fr die Elasticität der Chorioidea; a der bei der. Akkommodation ausgeübte Zug auf die Peri 
pherie der pap. n. opt. 
Wie gestalten sich nun diese Verhältnisse bei fortschreitendem Alter? Wir wissen, dass 
die Akkommodationsbreite mit zunehmendem Alter abnimmt. — Welche die Ursachen hiefür 
sl od, ob es lediglich eine Abnahme der Elasticität der Linse ist, oder ob auch der musc. 
ciliarii etwas von seiner Contraktionsfähigkeit einbüsst, sind wir nicht im Stande zu entscheiden. 
~~~ Hier kommt dies aber auch nicht in Betracht. —• Wir wissen ja, dass je kleiner A wird, 
desto geringer wird auch der Zug werden, den sie an der pap. n. opt. ausübt. Zugleich mit 
der geringeren Leistung von A mag wohl auch die Elasticität der Chorioidea geringer werden, 
doch können wir wohl mit Bestimmtheit annehmen, höchstens in dem gleichen Verhältnisse. 
Nehmen wir nun an: A sei um die Hälfte und E gleichfalls um die Hälfte kleiner ge 
worden, dann erhalten wir für den Zug der jetzt an der Papille ausgeübt wird, einen anderen 
Ausdruck, nämlich: 
A,- 
' e,= Y A ' 
E-- 
-j ( A~E) = Y a 
Hierin haben wir dann ausgesprochen, dass der Zug der Akkommodation, der an der 
P a P- n. opt. zur Geltung kommt mit Zunahme des Alters geringer werde; da wir nuu aber 
uenehmen müssen, dass die Widerstandsfähigkeit nicht geringer wird in dem gleichen Verhält 
nisse, so ist hiemit also verneint, dass die veränderten Verhältnisse der Akkommodation die 
tJr sache der Veränderungen an dor pap. n. opt. sein könnten. 
b) Betrachten wir nun, wie die Verhältnisse sich bei der Convergenz gestalten: 
Die Convergenz wird der Akkommodation entsprechend in geringerem Grade in Anspruch 
genommen werden. Wir nehmen aber an, dass die fehlende Akkommodation durch + Gläser 
ersetzt werde; dann bleiben C u. B sich gleich. Dagegen verliert, wie alles Gewebe, so auch 
d’ e Scheide des nerv. opt. einen Theil seiner Elasticität. 
Nehmen wir z. B. an N wäre um 1 / i kleiner geworden, so erhalten wir für den Theil 
der Con vergenz der jetzt an der pap. n. opt. zum Austrage kommt den Ausdruck: 
G — C— (B + */ 4 N) + >/ 4 N. 
ßi'selbe ist also um '/jiV grösser geworden. 
Wenn wir also bei zunehmendem Alter Veränderungen an der pap. n. opt. finden, so 
sonnen sie nur durch die veränderten Verhältnisse bei der Convergenz bedingt sein, bedingt 
durch die erschwerte Convergenz bei Abnahme der Elasticität des n. opt. und seiner Scheide. 
Sie werden also wesentlich dort auftreten wo der n. opt. sich in die Sclera inserirt; 
uud in der That zeigen sie sich auch als eine Dehnung der äusseren Lamelle der Sclera, in 
die die Scheide des n. opt. unmittelbar übergeht, und zwar natürlich nur in der Richtung des 
Lonvergenz-Zuges. — Die Chorioidea selbst wird keine Veränderungen erleiden, sondern nur 
der Boden, auf dem sie haftet, ist ausgedehnt; — man findet hier, was man wohl als „Erwei 
terung der Skleral-Grenze“ der Papille bezeichnet. 
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