Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

I. Physikalischer Theil. 
Um den rein physikalischen Verhältnissen, die hiebei in Betracht kommen, auf den 
rimd zu kommen, ist es nothwendig, die complicirte anatomische Gestalt des Auges auf rein 
Mathematisch-geometrische Formen, und die nicht minder complicirten physiologischen Vorgänge 
mim Gebrauche des Auges auf reine physikalisch-mechanische Kraftwirkungen zurückzuführen. 
Wir nehmen an: 
Das Auge sei eine mit Flüssigkeit prall gefüllte Kugel. Die Wandungen derselben 
Jdden zwei dicht an einander liegende, starre Membranen, die theils mit einander fest ver 
enden, theils gegen einander leicht verschiebbar sind; — sie stellen concentrische Hohlkugeln 
dar. — Unbeweglich angeheftet sind diese Membranen durch eine cylindrische Röhre mit gleich 
es starrer Membran, die sich an der hinteren Fläche inserirt. 
Die Kraftwirkungen, die bei der gewöhnlichen Arbeit des Auges in Betracht kommen, 
sind zwei: die Convergenz und die Akkommodation; — sie stehen für eine bestimmte Leistung 
’n einem bestimmten Verhältnisse zu einander. — Es sind beide einfach mechanische Zugkräfte. 
Die erste, die Convergenz, die wir mit C. bezeichnen, inserirt sich in einer Zone,°die zu 
noiden Seiten des horizontalen Meridians liegt, und zwar an der äusseren Membran. Die 
Ansertionslinie ist ein Kreisbogen, der auf den horizontalen Meridian senkrecht steht, er ent- 
ialt die einzelnen Insertions-Punkte für die in der Zone belegeneu mit dem horizontalen Meri 
diane parallelen Kreise. Hier nehmen wir jedoch vorläufig nur Rücksicht auf den Bruchtheil 
«er Convergenz, der in dem horizontalen Meridian selbst zur Wirkung kommt, benennen ihn 
aber mit dem Namen des Ganzen C. 
Die zweite, die Akkommodation, inserirt sich an der inneren Membran und zwar in 
Jedem Meridian der Kugel zur Sehachse. Die Insertion ist daher die Kreislinie, die durch einen 
^chnitt gebildet wird, den man durch einen Insertionspunkt senkrecht auf die Sehachse legt. — 
Wir nehmen hier aber nur Rücksicht auf einen Bruchtheil der Akkommodation, nämlich die 
, aft , die in einem einzelnen Meridian, hier speziell dem horizontalen, beiderseits, zur Wirkung 
kommt, der von einem Insertionspunkt ausgeht; benennen ihn aber mit dem Namen des 
Ganzen, A. 
Betrachten wir jetzt Fig. 1. — Sie stellt den horizontalen Durchschnitt durch das 
mathematisch-physikalisch reducirte Auge dar. 
Der Kreis rcbb'q ist die Sclera, naa'lm ist Chorioidea; mn.q.r ist der Eintritt des 
Sehnerven. In den Linien nyr und mxq sind die beiden Kreise mit dem Sehnerven und unter 
einander fest verbunden. Zwischen a u. n, und a‘ u. m. ist die Vereinigung eine lose, leicht 
verschiebbare. In dem vorderen Abschnitte, zwischen a und a‘ sind die beiden Membranen 
gleichfalls mit einander fest verbunden. — Bei c inserirt sich der Convergenz-Zim natürlich in 
iler Richtung der Tangente zum Kreise nach d hin. Die Linie cd stellt die Grösse des Zuges dar. 
Bei a und a‘ inserirt sich der Akkommodations-Zug in der Richtung der Tangenten 
käcli b und b‘ hin; ap ist die Grösse desselben jederseits: Das Verhältniss — = -- ist ein 
oonstantes. cd C 
Sehen wir jetzt: welcher ist der Erfolg des Zusammenwirkens der beiden Zugkräfte, 
a n den Befestigungsorten der beiden Kreise, an mxq und nyr? — Es ist von vorneherein ein 
leuchtend, dass derselbe in den beiden Hälften des Kreises eine verschiedene sein muss. 
Wir betrachten zuerst die äussere, die temporale Hälfte: Die Zugkraft a‘p‘ = a p wirkt 
m a‘ in der Richtung der Tangente; — da wir angenommen, dass die Membran eine starre 
so kommt sie in ihrer ganzen Grösse zum Austrage in dem Befestigungspunkte in m. Wir 
können aber ebensowohl dieselbe Zugkraft in der Verlängerung der Tangente wirken lassen. 
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