Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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seits die Convergenz mit Rücksicht auf die Entwickelung und Progression der M. bewirken 
tonnen, so müssen wir Folgendes sagen: 
Das Myopisch-Werden eines hypermetropischen oder emmetropischen Bulbus, und die 
Progression der M. beruht auf einer Verlängerung der Bulbusaxe, die dadurch zu Stande 
kommt, dass: 
1) der jugendliche Bulbus überhaupt sich einem vermehrtem intraokularem Drucke gegen 
über nachgiebig erweist; dass: 
2) eine Stelle iu der Nähe des hinteren Pols insofern einer Dehnung von Innen her aus 
gesetzt ist, als sie durch Zerrung an der Chorioidea von Innen, und durch Zerrung an 
der äusseren Skleral - Lamelle von Aussen, ihrer normalen Widerstandsfähigkeit beraubt 
wird. Die Erhöhung des intraokularen Druckes ist nicht einmal nöthig um diese Stelle 
auszuweiten, der normale Druck genügt, und mit der Dehnung der Kapsel und der Ver- 
grösserung des Bulbus-Raumes wächst auch durch Filtration aus den Gefässen das Glas 
körper-Volumen, so dass für hinlänglichen Druck vollkommen gesorgt ist; — dass endlich: 
3) faktisch der intraokulare Druck sowmhl durch den Krampf des Akkommodations-Muskels 
als auch durch die Convergenz erhöht wird. 
Etwas weiter unten heisst es weiter: 
„Beide Vorgänge summiren ihren schädlichen Einfluss, — die Convergenz allein 
könnte niemals das Zustandekommen der so charakteristischen Chorioidal-Veränderungen er 
klären; die Akkommodation andererseits kann niemals jene äusserst wichtige Abhebung der 
äusseren Skleral-Lamelle von der inneren am Opticus-Eintritt zu Stande bringen, wodurch das 
Entstehen des Staphylomes so wesentlich gefördert wird; auf die Erhöhung des intraokularen 
Druckes haben sie beide einen Einfluss in gleicher Richtung — also: „Jedem das Seine! 
Das Charakteristische der Theorie Erismann’s ist also, dass sie eine vermittelnde Stel 
lung zwischen den beiden entgegengesetzten Theorien der neueren Richtung einnimt; freilich 
öeigt sie mehr nach der Seite der Akkommodation hin, — doch gewiss mit Recht, da dieselbe 
neben der Convergenz als ätiologisches Moment der progressiven M. das gewichtigere ist. 
Es. erübrigt mir jetzt nur noch die Resultate in Kürze zu besprechen, zu denen der 
Herr Professor Völckers, unter dessen Leitung die hiesige Ophthalmologische' Klinik seit dem 
Jahre 1865 gestanden hat, auf Grund seiner Beobachtungen gelangt ist. — Wie schon bemerkt, 
sind es im Wesentlichen dieselben, zu denen Erismann gelangt, nur dass er nicht in der Lage 
War, durch statistische Nachweise die von ihm aufgestellten Lehren endgültig zu beweisen. 
Schon im Jahre 1867 beobachtete Professor Völckers einen Fall, in dem unter seinen 
Augen eine H. sich in M. im Laufe einiger Jahre umwandelte, und zwar bei einem Uhrmacher, 
der sehr starke Ansprüche an seine Akkommodations-Leistungen stellen musste. Zugleich mit 
dieser Metamorphose bildete sich ein breites Staph, post, mit weitgreifenden atrophischen Ver 
änderungen der Chorioidea. — Hiedurch aufmerksam gemacht, wurden in der hiesigen Klinik 
die meisten Hypermetropen mit dem Augenspiegel untersucht, und in der bei weitem über 
wiegenden Mehrzahl der Fälle Staphylome nachgewiesen. 
Hierauf gegründet stellte Prof. Völckers in seiner Klinik und in seinen Vorlesungen die 
Ansicht auf, dass in einer viel grösseren Anzahl von Fällen, wie man annehme, auch bei Hyper 
ötetropen eine Verlängerung der Sehachse sich ausbilde, so dass hohe Grade von II. sich in niedere 
Grade umsetzen, ja selbst eine Selbst-Correktion der H. stattfinden könne. In dem einen Falle 
s<? i ja selbst Myopie das Endresultat gewesen. 
Ferner beobachtete Prof. Völckers, dass Akkommodations-Krampf nicht so ganz selten 
als Complication der M. vorkomme, und schon aus dem Jahre 1866 habe ich in den Kranken- 
Geschichten mehrere Fälle gefunden in denen bei progressiver M. durch Atropin eine bedeutende 
Herabsetzung des scheinbaren M.-Grades erzielt wurde. 
In seiner ganzen Bedeutung hat Prof. Völckers dieses Verhältniss damals wohl noch
	        

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