Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

die Ursache sind. — Es findet also durchgehend, über das Maass des physiologischen Wachs 
thums hinaus, eine Ausdehnung der Augen in der Sehachse statt, und der Hauptfaktor dieses 
Vorganges ist die Akkommodation. 
Er*) sagt: 
„Es ist der Akkommodations-Akt, auf den wir von allen Seiten aufmerksam gemacht 
werden. Während dieses Aktes wird die Chorioidea gezerrt und gedehnt, er ist es, der die 
venöse Blutstauung im Auge verursacht, der zu Beizerscheinungen, zu vermehrter Filtration 
aus den Gelassen. Veranlassung gab, sobald er unter ungünstigen Verhältnissen in Krampf des 
ihm vorstehenden Muskels ausartet, sobald nicht immer nach einiger Zeit der Arbeit eine voll 
ständige Erschlaffung und absolute Buhe des Muskels eintritt. 
Der Akkommodations-Krampf ist es denn auch, der im Verein mit der Dehnung des 
Bulbus in der Längsaxe die Chorioideal-Atrophien hervorruft. 
Seite 71 heisst es: 
„Wo ein solcher Krampfzustand vorhanden ist, da hat auch die Chorioidea mehr zü 
leiden, sie unterliegt einer fortwährenden Dehnung und muss nothwendig da, wo sie am wenig 
sten verschiebbar ist, d. h. am Umfange des Sehnerven, Gewebs-Veränderungen erleiden.“ — 
Und zwar treten diese Gewebs-Veränderungen zuerst am äusseren Umfange des Opticus 
auf, und später erst wird die obere, untere und innere Peripherie von der Atrophie erfasst. (S. 32.) 
Die Chorioideal-Atrophien gehen mit der Veränderung der Befraktion Hand in Hand; 
dagegen konnte Erismann keinen causalen Zusammenhang mit der Insufficienz der mm. rect. 
int. nachweisen: Seite 43: 
„Die Tabelle über die Häufigkeit und die verschiedenen Grade der Muskelstörungen 
bei den verschiedenen Entwickelungsstufen der Chorioideal-Atrophie zeigt, dass im Allgemeinen 
diese Störungen mehr die stärkere Atrophie der Chorioidea begleiten; doch sind auch die 
starken Chorioideal-Veränderungeh immer noch häufiger ohne Insufficienz, als mit derselben, 
und zwar haben 58,9% von den Fällen mit starker, und 69,3% von denjenigen mit massiger 
Chorioideal-Atrophie keine Spur von Insufficienz. Daraus kann man wohl mit Beeilt den Schluss 
ziehen, dass das Zustandekommen der Staphylome und der ihnen entsprechenden M. von einer 
Insufficienz der Interni nicht abhängig ist. 
In seiner Kritik über die früheren Ansichten über den Einfluss der Convergenz aui 
das Fortschreiten der M. kommt Erismann zu dem Besultate, dass Donders den Einfluss 
derselben zu hoch angeschlagen, meint aber doch, dass die forcirte Convergenz ein wich 
tiges Moment ist in der Beihe der schädlichen Einflüsse, welche die M. mit ihren 
Folgezuständen erzeugen. Und zwar 1) durch den durch die Convergenz beträchtlich 
erhöhten intraokularen Druck, und 2) durch den Zug, den bei der Convergenz der Sehnerv 
auf die äussere Lamelle der Sclera ausüben muss; er stützt sich hiebei auf die Befunde, die 
Schweigger und Jaeger über diesen Gegenstand gemacht haben; hauptsächlich die Abbil 
dungen die Jaeger in seinem Werke Fig. 23, 25, 27 und 29 auf Taf. II, von Längsdurch 
schnitten des Sehnerven-Eintrittes bei myopischen Augen, giebt. Erismann meint, man könne 
wohl annehmen, dass auch in emmetropischen und selbst hypermetropischen Augen die Anfänge 
dieser Processe bei forcirter Convergenz möglich seien. 
Die Erblichkeit wird von Erismann nicht als Entstehungsmoment anerkannt, sondern 
lediglich in der angestrengten Beschäftigung unter ungünstigen Verhältnissen die Ursache der 
allgemeinen Verbreitung der progressiven Myopie gesetzt. 
Das Besüme von Erismann**) lautet in seinen eigenen Worten: 
„Ziehen wir nun das Facit aus dem, was einerseits die Akkommodation, und anderer-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.