Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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Een Krampf kann man durch Atropin beseitigen, und so die scheinbare M. lieben; — die 
Wirkliche M. kann man aber auch herabsetzen durch wiederholte Blutentziehungen. Dadurch 
sollen die abnorm gefüllten Gefässe entleert werden, und ihren ursprünglichen Tonus wieder 
annehmen, die gelockerten Gewebe ihre natürliche Consistenz erlangen und so die Sehachse 
verkürzt werden. 
Mit Rücksicht auf diese wirkliche Abnahme der M. verweise ich auf die Kritik, die 
Erismann in der später zu erwähnenden Schrift, über diesen Punkt giebt. — Die nähere 
Erörterung dieser Frage würde mich zu weit führen. v 
So fand Dobrowolsky denn auch in den meisten Fällen von M. dieselbe mit Akk.- 
Krampf complicirt, In 34,28% um’ war dies nicht der Fall. 
Die Convergenz*) wirkt nur in dem Maasse auf den Gang der progressiven M., als 
Sl e eine entsprechende Akkommodations-Anstrengung hervorruft. Hierin zeigt sich am schlagend 
sten der Gegensatz gegen Mann har dt. 
Dobrowolsky giebt noch viele interessante Details, die für meinen Zweck jedoch 
ßicht von wesentlicher Bedeutung. —■ Aus dem schon Gegebenen wird die neue Richtung, die 
er einschlug, genügend charakterisirt sein. 
In dieser Zeitperiode richteten nun die Ophthalmologen vielfach ihre Aufmerksamkeit 
a uf die Akkommodation, und die Mehrzahl derselben huldigte bald der neuen Theorie. Die 
verschiedenen Arbeiten, die hierüber veröffentlicht wurden, kann ich grösstentheils unberück 
sichtigt lassen. Es bleibt mir nur übrig eine Arbeit zu besprechen, weil sie gewissermaassen die 
Debatte über die Entstehung der M. abschliesst und die darin festgestellten Lehren in der 
Hauptsache als endgültig betrachtet werden können. Zudem sind die Ansichten, die darin aus 
gesprochen werden, dieselben, zu denen mein hochverehrter Lehrer,-der Herr Prof. Völckers, 
durch seine praktischen Erfahrungen an der hiesigen Augen-Klinik gelangt ist, und die in 
Folge dessen die Grundlage bilden, auf der die vorliegende Arbeit entstanden ist; — es ist 
die Schrift des Dr. Erismann: „Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der M,, gestützt auf 
Untersuchungen der Augen von 4358 Schülern und Schülerinnen“.**) 
Wie gesagt, diese überaus fleissige und werthvolle Arbeit kann wohl mit Recht als 
Abschluss betrachtet werden des Umschwunges, den die Lehre von der M. seit dem Erscheinen 
»der Refraktions- und Akkomm.-Anomalien“ von Donders genommen hat. Es mögen im Detail 
n °ch viele neue Aufschlüsse gebracht werden, in den Hauptzügen werden die Resultate bleibend 
die Grundlage der Lehre von der Entwickelung der M. bilden. 
Erismann giebt als das Resultat seiner genauen Untersuchung von 4358 Schülern und 
Schülerinnen, die auf die verschiedenen Schulen St. Petersburg’s vertheilt waren, eine Reihe 
von Tabellen, in denen alle Momente, die von Bedeutung, berücksichtigt, und schematisch ge 
ordnet einen leichten Ueberblick über das gegenseitige Verhältniss gewähren: die Refraktions- 
2 ustände der Augen in den verschiedenen Klassen und Lebensjahren, die Sehschärfe, die Cho- 
rioideal-Atrophien, Verhalten der Muskeln (Insufficienz und Strabismus) Einfluss des Tragens 
Von Con'cav-Gläsern u. s. w. 
Hinsichtlich der Refraktion fand Erismann, dass in den untersten Klassen der Schulen 
die Hypermetropie überwiege: 70% H. gegen 17% E. und 13% M. In den obersten Klassen 
dagegen 43% M. gegen 20% E. und 37% H; und in den mittleren Klassen die Ueborgänge 
dieser beiden Extreme. 
Diese Thatsache allein zeigt schon auf das Deutlichste, dass die M, sich sowohl aus 
der H. wie aus der E. entwickelt, und lässt mit Sicherheit schliessen, dass die Anforderungen, 
die an die Akkommodation, und die ungünstigen Verhältnisse, unter denen sie gestellt werden, 
*) Dobrowolsky 1. c. S. 78. 
“*) Graefe. Arch. f. Ophth. Bd. XVII, 1
	        

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