Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

Nähe und Tragen neutralisirender Concav-Gläser so oft nicht vertragen wird. Die Zerrung 
welche die Chorioidea, die im verlängerten Auge schon ohnehin beträchtlich ist, 
erleidet, muss sich am hinteren Ansätze in der Gegend der pap. n. opt. zumeist 
geltend machen. — Ebenso glauben wir auch die Schmerzen, die in solchen Fällen oft am 
hinteren Augapfel-Abschnitt empfunden werden, erklären zu müssen wenn wir bedenken, dass 
die Nerven hier eine gleiche Dehnung mit der Chorioidea erleiden. Es liegt nahe, die Abhülfe 
dieser Leiden im Atropin durch Immobilisirung der inneren Häute zu suchen.“ 
Wie wahr diese Annahme, hat sich in der Folge gezeigt; wir wissen jetzt, dass die 
Akkommodation der Hauptfaktor bei der Entstehung der progressiven M. ist. 
bür meinen speciellen Zweck darf ich hier nicht unterlassen darauf aufmerksam zu 
machen, dass hier zuerst von einem Zuge die Rede ist, von dem Akkommodations-Zuge, der 
im Zusammenhänge stehen müsse mit den congestiven Zuständen im Augenhintergrunde bei 
der Sclerotico-Chorioiditis, und von einer Anspannung der inneren Augenhäute in dem patholo 
gisch verlängerten Bulbus. 
Im Jahre 1868, also last gleichzeitig mit Idensen und Volkers, veröffentlichte Dobro- 
wolsky eine umfangreiche und eingehende Arbeit über die „Refraktions- und Akkommodations- 
Anomalien“, worin er hauptsächlich in dem Abschnitte über M gegen Donders in Opposition tritt*). 
Von Prof. Junge zuerst auf die häufige Complikation der M. mit Akkommodations- 
Krampf aufmerksam gemacht, hat er sehr sorgfältige Untersuchungen über diese Verhältnisse 
angestellt, und gelangt zu wesentlich anderen Resultaten, wie Donders. — Vor Allem wird die 
erbliche Disposition zur M. als wesentliches Entstehungsmoment bestritten, und Dobrowolsky 
sucht wie Mannhardt in wirklichen am Auge bestehenden Momenten die Ursache der Progres 
sivität der M.; nur dass er diese hauptsächlich in der Akkommodation sucht, während 
Mannhardt in der Convergenz. 
Er**) sagt: 
„Im Endresultat erlauben wir uns auf zwei Formen der M. zu bestehen: 
Die erste angeborene Form der M., bei welcher der Bildungsfehler von den Eltern auf 
das Kind in Form einer in der That verlängerten Sehachse, und nicht in Form einer uner- 
wiesenen erblichen Prädisposition, übergeht. Diese Form kann in Folge von Akkommodations- 
Anstrengungen mit Stapln post, complicirt werden und dann steigt der angeborene Grad' der M. 
noch höher. 
Die zweite, nach der Entstehung von der ersten völlig verschiedene Form, ist die 
erworbene. Bei dieser Form verlängert sich die Sehachse in Folge von Entwickelung atrophischer 
Veränderungen um den Sehnerven; — sie kann sich im normalen, und sogar im hyper- 
metropischen Auge durch übermässige Akkommodations-Anstrengungen ent 
wickeln. 
Die Hauptzüge der weiteren Deduktion sind nun folgende: 
Die starken Akkommodations-Anstrengungen unter ungünstigen Bedingungen (schlechtes 
Licht, geschwächte Constitution nach Krankheiten u. s. w.) rufen Akkommodations-Krampf 
hervor, und dieser wieder Hyperämie im Augenhintergrunde uud vermehrten intraokularen 
Druck. Die Hyperämie der Augenhäute um die pap. n. apt. lockert ihr Gewebe; sie werden 
durch den erhöhten intraokularen Druck gedehnt, und die atrophischen Vorgänge am hinteren 
Augenpol, die Skierektasien, die Staph, post, sind die weitere Folge. 
Es ist nicht die Hyperämie, die den Akkommodations-Krampf hervorruft, wohl kann 
sie aber, rückwirkend, dazu beitragen, den Krampf hartnäckiger zu machen und zu steigern. — 
r) Dobrowolsky (Elin. Mou. Bl. v. Zellender. VI. Jakrg.) 
**) Dobrowolsky 1. c. S. ‘JA
	        

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