Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

In einer Anmerkung heisst es ausdrücklich: 
„Dass es wirklich die Anspannung der Convergenz, nicht die Akkommodation ist, welche 
diesen Congestiv-Zustand bedingt, beweist das Fehlen desselben bei der Hypermetropie, wo in 
der Regel eine beständige und starke Akkommodations-Anspannung besteht, während die 
Convergenz-Anstrengung, wie wir sehen werden, eine geringe ist.“ 
Es macht den Eindruck, als ob die Akkommodation überall sich vordränge, aber mit 
Gewalt zurückgehalten werden solle. Das letzte Argument jedoch ist ein verderbliches; denn 
es beruht auf einer irrigen Annahme, und wird somit ein Beweis in Händen der Gegner. 
Hier ist jedoch noch nicht der Ort, darauf näher einzugehen. 
lieber die Art und Weise, wie die Hyperämie und die Folgezustände der Sclero-Chori- 
oiditis zu Stande kommen, darauf geht Mannhardt auch nicht näher ein, sondern lässt wie 
Graefe, die Frage offen, ob es der Muskeldruck oder die congestiven Zustände sind, welche die 
Skierektasien veranlassen. 
Die ungünstigen Bedingungen, welche der erschwerten Convergenz zu Grunde liegen, 
werden aber einer eingehenden Untersuchung unterworfen. Mannhardt sucht dieselben nicht 
allein in einem Muskelleiden, wozu eine erbliche Disposition wahrscheinlich vorhanden, sondern 
in rein mechanischen Momenten, die in dem Bau des Schädels der Myopen, den Emmetropen 
und Hypermetropen gegenüber, gelegen sind. 
Er behauptet, dass der Abstand der Drehpunkte beider Augen bei den Myopen im 
Durchschnitte grösser, bei den Hypermetropen geringer sei, als bei den Emmetropen, und dass 
in Folge dessen die Myopen eine grössere Convergenz-Anstrengung machen müssen, um bin 
okular einen nahen Punkt zu fixiren, als sowohl Emmetropen wie Hypermetropen, weil der Win 
kel, den die Sehlinien aus der Ruhestellung bis zum Nahepunkt beschreiben, ein grösserer wird. 
Als äusserste Maasse giebt Mannhardt an: 
Abstand der Drehpunkte: bei E. 64 m - m - 
„ — „ M. 72 m ' m - 
„ — „ H. 56 
Die Abstände variiren dann bei M. zwischen 64 u. 72 m - m - bei H. zwischen 56 u. 64 m - m ' 
Ausserdem ist der Winkel, den die Axen, die man durch den Mittelpunkt des Auges 
und dem des foramen opticum legt, mit einander bilden bei M. stumpfer als bei E. und H., 
und daraus folgt: 
Je grösser dieser Winkel, um so weiter liegt der Abrollungspunkt des m. rect. ext. 
von seinem Ansatzpunkte, um so grösser fällt also die Wirkung dieses Muskels aus; je kleiner 
der Winkel, um so günstiger gelegen ist der Abrollungspunkt des m. r, int. und um so grösser 
dessen Wirkung 
Aus diesen beiden Verhältnissen setzen sich die ungünstigen Convergenz-Bedingungen 
bei M. zusammen, und in ihnen liegen die hauptsächlichen Momente bei der Entstehung und 
weiteren Entwickelung der progressiven M.; — die Heilung dieser Zustände gefunden zu haben, 
meint Mannhardt, sei fast das grösste der Verdienste Graefe’s, — durch die von ihm angegebene 
Operation des dynamischen Auswärtsschielen’s, oder durch die Correction mittelst prismatischer 
Brillen. 
Er*) sagt hierüber: 
„Die Thatsache, sobald sie feststeht, ist von ausserordentlicher Wichtigkeit für die 
richtige Beurtheilung der Entstehung, und demnächst für die Verhütung und Behandlung der 
progressiven M., eines Uebels, welches wegen seiner Häufigkeit und seiner ernsten und oft ver 
derblichen Folgen die grösste Beachtung verdient. Sie beweist, dass jene entzündlichen "Vor-
	        

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