Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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In welcher Weise jedoch nun dies gestörte laterale Gleichgewicht der Muskeln die 
Progressivität der M. hervorruft; wie die Einwirkung dieses Zustandes auf den hinteren Augen- 
Pol im Speziellen sich gestaltet — diese Fragen werden offen gelassen. 
Seite 234 heisst es: 
„Ob es übrigens der die Adduktions-Anstrengungen begleitende Muskeldruck an sich 
ls b der die Ectasia posterior fördert, oder ob es mehr die Congestiv-Zustände sind, welche 
sich an die unzweckmässige und unbehagliche Funktionirung knüpfen, das lasse ich dahingestellt 
allein jedenfalls liegen hier alle Momente vor, welche die Ursachen der M. Fortschritte aktiviren.“ 
Wie Donders spricht Graef'e nur allgemein von dem Muskeldrucke und von Congestiv- 
^uständen. Die Akkommodation berücksichtigt er fast gar nicht. Zwar spricht er über die 
durch erhöhte Convergenz-Anstrengung hervorgebrachte Verlagerung der relativen Akkommo 
dationsbreiten, und das dadurch bei binokularen Sehen hervorgebrachte Näherrücken des Fern- 
Punktes, also einer scheinbar und vorübergehend erhöhten M. — doch von einer direkten 
Einwirkung dieses Momentes auf die Progressivität der M. sagt er nichts. 
Selbst bei den Worten:*) 
„Halten wir also in der Hauptsache fest: a) dass die Abhängigkeit des dynamischen 
Auswärtsschielens von progressiver M. nur eine bedingte ist; b) dass die Bedingungen der 
Abhängigkeit durch Eingriffe in die Muskulatur zu modificiren sind; c) dass die Beseitigung 
desshalb wesentlich zweckmässig ist, weil die Gleichgewichtsstörung, sei sie inducirt oder für 
S1 ch bestehend, jedenfalls wieder eine schädliche Rückwirkung auf die M„ ausübt“ 
— denkt Graefe nur an den Muskeldruck und die Congestiv-Zustände, nicht an die etwa mit 
der erhöhten Convergenz-Anstrengung resultirenden Akkommodations-Anspannung. 
Diese Theorie wurde von Mannhardt adoptirt und weiter ausgearbeitet. 
Mannhardt sucht wie Graef'e die häufigste Ursache der progressiven M. in dem ge 
störten lateralen Gleichgewichte des internus und des externus, in den ungünstigen Bedingungen 
für die Convergenz, und das Neue, das er bringt, ist eine genauere Zergliederung und Formu- 
Hrung dieser ungünstigen Bedingungen. 
Die Akkommodation tritt dennoch bei ihm etwas mehr in den Vordergrund, wenn er 
sie auch lediglich als Folgezustand des dynamischen Schielens betrachtet wissen will, und ihr 
Jede wesentliche Bedeutung als selbständiges Moment abspricht. 
Er**) sagt über die Entstehung der Myopie: 
„Man fand aber ausserdem, dass diese Krankheit bedingt ist durch akkommodative 
Anstrengungen, dass sie sich nur bei Solchen entwickele, die ihre Augen andauernd auf kurze 
Distanz, also mit Arbeiten beschäftigen, die eine Anstrengung der Akkommodation und Con 
vergenz erfordern, besonders wo dies in unzweckmässiger Weise geschieht.“ 
Und S. 77: 
„— es wird eine Art von Akkommodations-Krampi eintreten, welche eine scheinbare 
darstellt.“ 
Hieraus könnte man schliessen, dass er die Akkommodation für einen Hauptfaktor der 
Progressiven M. halte. Dagegen verwahrt er sich später jedoch ausdrücklich. Seine Meinung 
ls U dass nur die Convergenz die Schuld trage, — „den congestiven Zustand, welcher bei 
nnhaltender Beschäftigung mit akkommodativer Arbeit oft rasch unter den bekannten Erschein 
ungen der Sclero-Chorioiditis post, zu Dehnung der inneren Membranen, atrophischen Vor 
gängen, Sclerektasien führt“ —- anzufachen. 
*) Graeffi 1. c. S. 236. 
**) Mannhardt. Muskuläre Astbemopie und Myopie. Arch. f. Ophth. Bd. XVII. 2. Abth.
	        

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