Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

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seien und zwar eines schweren Trauma, Man könnte sogar nicht füglich an einen 
anderen Zusammenhang gedacht haben, wenn nur die Angehörigen irgend etwas von 
einer schwereren Verletzung zu berichten gewusst hätten. Und eine solche muss doch 
angenommen werden, da die Ruptur bei einem normalen (nicht atrophischen) Bauch 
fell schwer genug zu Stande kommt. Dieser Mangel in der Anamnese (so dürfen 
wir es wohl bezeichnen) bietet darnach überhaupt die wesentlichste Schwierigkeit in 
der Erklärung des Falles, wir sehen uns aber nach unseren bisherigen Auseinander 
setzungen gezwungen, ein solches Moment in der Vorgeschichte des Krankheitsfalles 
als sicher zu vermuthen. Weshalb die Eltern nichts davon wissen, ist immerhin sehr 
auffallend, dennoch aber nicht ganz unerklärlich. Wie unendlich viele Traumen die 
Kinder bei ihren Spielen sich zuziehen, ohne dass weitere Notiz davon genommen 
werde, weiss ein jeder, und dass eine durch ein Trauma unmittelbar bewirkte Ruptur 
im lig, suspens, hepatis leichter unbeachtet bleiben könne, als jede andere schwere 
Verletzung, diess ist keineswegs unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass die Blutung 
dabei sehr gering sein muss und bei der gänzlichen functioneilen Unwichtigkeit des 
des lig. Suspensorium die Zerreissung an und für sich auch nicht die geringste Be 
deutung haben kann. Ein heftigerer Schmerz ist daher wohl das einzige gewesen, 
welches die Zerreissung begleitet hat, hat er aber nur kurz gedauert, was anzunehmen 
ist, so kann er darum doch von den Angehörigen unbeachtet vorübergegangen sein. 
Erst in den nächsten Tagen ünd Wochen nach der Verletzung wird sich die entzünd 
liche Reizung des Peritoneum mit ihren Folgen ausgebildet haben, die aber nicht 
ahnen Hess, welche andere Veränderung gleichzeitig im Bauche vorläge. 
Was die Zeit betrifft, in welcher die Zerreissung entstanden sein mag, so giebt 
uns darüber der Befund einigen Aufschluss. Es heisst in dem Sectionsprotokoll „es 
werden dadurch (nämlich durch den isolirten Verlauf des lig. teres) die Dünndarm 
schlingen in zwei ungleich grosse links und rechts von demselben liegende Packete 
getheilt,“ Diese Theilung kann offenbar erst nach erfolgter Zerreissung entstanden 
sein, denn in der Norm liegt das lig, teres vom Nabel aufsteigend hart der Bauch- 
w^and an, wie oben näher auseinander gesetzt, und nicht zwischen Darmschlingen. 
Da aber solche Verwachsungen zu grösseren Packeten (und Perforationen) in wenigen 
Wochen sich bilden können und ein so freier Verlauf des lig. teres doch wohl kaum 
längere Zeit, etwa einige Monate, bestehen konnte, ohne schwerere Störungen hervor 
zurufen, so mag wohl die Zerreissung erst in den letzten Monaten vor Eintritt der 
schwereren Erkrankung entstanden sein. Die ziemlich leichte Trennbarkeit der ein 
zelnen Darmschlingen an einigen Stellen von einander spricht überdiess für eine solche 
Auffassung. Hier werden also ohne Zweifel zu verschiedenen Zeiten sich verschiedene 
Darmschlingen gefangen haben, die Serosa wird entzündlich gereizt worden und die 
Verklebung zu grösseren Packeten erfolgt sein, nach und nach aber (also im Verlauf
	        

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