Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1874 (Band XXI.)

des Knaben hat fünfmal geboren und dieselbe Hebeamme hat ihr in allen Fällen Hülfe 
geleistet. Unser Patient ist das dritte Kind, Er ist in Schädellage geboren, die Ge 
burt hat ziemlich lange gedauert, besondere Hülfeleistung ist aber nicht nöthig ge 
wesen. Eine solche haben überhaupt nur die Geburten der beiden letzten Kinder er 
fordert, beide haben quer gelegen und die Wendung ist durch einen Arzt gemacht 
worden. 
Wir sehen demnach, dass wir auch irgend welche Umstände bei der Geburt 
nicht beschuldigen dürfen, denn weshalb wäre ein Riss im lig. suspens. dann nicht 
schon öfter beobachtet, etwa als Folge eines (beabsichtigten oder nicht beabsichtigten) 
kräftigen Zuges an der Nabelschnur, der die Nabelgegend nach unten und vorn ge 
zogen hätte? W 7 enn die Hebeamme überdiess bestreitet, abgesehen von den beiden 
Querlagen , zu kräftigerem Eingreifen in den Geburtshergang gezwungen gewesen zu 
sein, so haben wir keinen Grund, ihren Angaben zu misstrauen. 
Es bleibt also schliesslich nur übrig, die Ursache der Zerreissung im späteren 
Leben zu suchen. Von äusseren Gewalten, die auf den Bauch des Knaben eingewirkt 
hätten, wissen wie gesagt die Eltern nichts und die Anamnese ergab zunächst nur, 
dass ein vorgetriebener Nabel sowohl bei dem Adolf, als dessen beiden (jüngeren) 
Schwestern bestanden habe. Den Nabelbruch könnte man nun ja in Beziehung bringen 
zu den in der Nabelgegend bestehenden Verwachsungen. Es ist eine bekannte Sache, 
dass oft mehrere oder alle Kinder desselben Elternpaares neigen zur Erwerbung von 
Nabelbrüchen und dass dieses hier der Fall gewesen, können wir annehmen. Sollte 
aber diese in den allermeisten Fällen so höchst unschädliche Sache etwa zunächst zu 
Verwachsungen und dadurch später zu schwereren Störungen geführt haben? Weshalb 
sollten die drei anderen Kinder gerade hieran gestorben sein, da mannigfache andere 
Krankheitsursachen vorhanden gewesen sein können? Von den beiden Mädchen und 
dem Adolf wissen wdr überhaupt nur, dass sie einen vorgetriebenen Nabel gehabt 
haben, der älteste verstorbene Knabe und der jetzt noch lebende haben nur einen 
dicken Bauch gehabt. Da die Mutter, wie die Hebamme angiebt, ihre Kinder stets 
höchst unzweckmässig ernährt hat, so ist es viel wahrscheinlicher, dass dadurch be 
dingte Verdauungsstörungen die Gesundheit der Kinder untergraben haben. Sie 
werden alle Gastro-Intestinalkatarrhe gehabt haben, der Adolf sowohl wie seine sämrnt- 
lichen Geschwister und in so fern haben die Eltern Recht, wenn sie den Arzt auf 
die Aehnlichkeit sämmtlicher Krankheitsbilder aufmerksam machen. Bei der Section 
des Adolf jedoch tritt ein schwereres Moment hervor: hier zeigen sich etwas unter 
halb der Nabelgegend feste Verwachsungen der Bauchwand mit Darmschlingen und 
solche war auch schon während des Lebens mit Sicherheit zu diagnosticiren. Indessen 
ist auch hier der Nabelbruch (und dafür, dass ein solcher wirklich bestanden habe 
spricht die feste alte Verwachsung eines Stückes des grossen Netzes gerade im Nabel 
ring) gar nicht in unsächlichen Zusammenhang zu bringen mit den vorliegenden Ad-
	        

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